Pizzabäcker (47) muss wegen Rauschgifthandels in Haft - Neffe (29) erhält eine Bewährungsstrafe
50 Gramm übersteigen den Eigenbedarf

Weiden. (rns) "50 Gramm Methamphetamin kauft man nicht für den eigenen Vorrat", stellte Amtsgerichtsdirektor Gerhard Heindl fest. "Vor allem dann nicht, wenn man finanziell nicht auf Rosen gebettet ist und sich die 2000 Euro dafür borgen muss." Es sei bei dieser Menge von Handeltreiben mit Rauschgift auszugehen.

Heindl und die beiden Schöffen verurteilten am Dienstag einen 47-jährigen Pizzabäcker daher zu zweieinhalb Jahren Freiheitsstrafe. Seinen 29-jährigen Neffen, der ihm - wohlwissend, dass sein Onkel dafür "Crystal" anschaffen wollte - das Geld vorgestreckt hatte, verurteilten sie zu 15 Monaten auf Bewährung.

Die in Kalabrien und Sizilien geborenen Italiener waren vor 18 beziehungsweise vor elf Jahren nach Deutschland gekommen. Beide hatten bei Verwandten und anderen Landsleuten als Pizzabäcker, -ausfahrer und Kellner gearbeitet. Um der beruflichen Belastung eher standhalten zu können, nahm der ältere der beiden Angeklagten seit einigen Jahren die aufputschenden Drogen.

Bei einem weiteren, ebenfalls 29 Jahre alten Landsmann, der sich vor der Verhandlung - vermutlich nach Sardinien - abgesetzt hat, und einem Deutschen, der in der JVA Weiden auf seinen Prozess wartet, bestellten die beiden Anfang letzten Jahres 50 Gramm "Crystal". Dieses wurde ihnen nach Weiden geliefert und in der Toilette einer Tankstelle übergeben. Im Zuge von Ermittlungen gegen einen Pizzeria-Betreiber aus dem Landkreis Neustadt/WN kam das Geschäft zutage, die Beschuldigten wanderten in U-Haft.

Während der Jüngere vor dem Schöffengericht seine Beteiligung sofort eingestand, gab der Ältere vor, alles für den Eigenbedarf gekauft zu haben. Nie habe er mit dem Zeug gehandelt. Von den Lieferanten sei er "gelinkt" worden, denn die Qualität sei schlecht gewesen. Staatsanwalt Rene Doppelbauer wertete dies alles als Schutzbehauptungen, denn Untersuchungen von konfiszierten Mengen der Lieferanten hätten einen hohen Wirkstoffgehalt ergeben. Auch hätten Untersuchungen von Landgerichtsarzt Dr. Bruno Rieder gezeigt, dass der 47-Jährige nicht süchtig sei.

Neffe ist geständig

Doppelbauer beantragte die vom Gericht schließlich ausgesprochene Strafe. Angesichts des nicht gravierenden Tatbeitrags des 29-Jährigen ließ es der Staatsanwalt mit eineinviertel Jahren auf Bewährung bewenden, was dessen Verteidiger Dr. Gunther Haberl sofort akzeptierte. Rechtsanwalt Matthias Haberl, der Verteidiger des älteren Angeklagten, konnte sich mit seinen Ansichten nicht durchsetzen. Er hatte bezweifelt, dass keine Rauschgift-Abhängigkeit vorliege, und vertrat die Meinung, dass man seinem Mandanten nicht unterstellen könne, dass er Handel getrieben habe.

Auch die gute Qualität sei nicht nachgewiesen, argumentierte der Verteidiger. Die genannte Menge von 50 Gramm wollte er auf 40 reduziert haben. Nachdem sich sein Mandant um einen Therapieplatz bemüht habe und er - wie übrigens auch der zweite Angeklagte - Bescheinigungen von italienischen Restaurants vorgelegt hatte, dass er dort sofort wieder zu arbeiten beginnen könnte, bezeichnete Haberl eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung als ausreichend.

Diesem Antrag folgte Richter Heindl nicht. Dem jüngeren Angeklagten brummte er als Bewährungsauflage 800 Euro auf.
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