Plädoyer für ein Parkdeck

Für den Wagen des neuen Präsidenten des Oberlandesgerichts war natürlich ein Parkplatz im Hof reserviert. Der Gast aus Nürnberg sah das Problem aller anderen Besucher des Gerichts aber sehr wohl: die unendliche Parkplatzsuche rund um die Justiz. "Das ist nicht bürgerfreundlich", sagte Dr. Christoph Strötz bei seinem Antrittsbesuch.

(ca) Der Chef über alle Amts- und Landgerichte im Bezirk Nürnberg konnte sich tatsächlich ein Parkdeck vorstellen. Aktuell sei in Nürnberg der Spatenstich für ein Sitzungssaalgebäude erfolgt. Auch hier habe sich jahrelange Hartnäckigkeit ausgezahlt. "Es kann ja nicht sein, dass die Leute hier fünf Minuten zu spät kommen, weil sie erst dreimal ums Karree fahren müssen." Familienrichterin Gerlinde Werner bestätigte: "Das passiert ständig."

Gerlinde Werner komplettierte das Podium bei einem Mediengespräch mit Dr. Strötz, seinem Vizepräsidenten Manfred Schwerdtner und Landgerichtspräsident Walter Leupold. Die Richterin war aus einem speziellen Grund mit dabei: Gemeinsam mit ihrem Richterkollegen Tobias Pausch ist sie dafür zuständig, Vormunde für die unbegleiteten Flüchtlinge zu bestellen. Früher ein kleiner Nebenaspekt ihres Ressorts (2012: 16 Fälle), in diesem Jahr viel Arbeit: 152 Minderjährige aus aller Welt sind bis Ende Juli bei den zwei Richtern vorstellig geworden, begleitet von ihren Betreuern.

Dolmetscher für Tigrigna

Die Richter setzen Berufsvormunde ein, die das Jugendamt vorschlägt. Mittels Dolmetscher erkundigen sie sich auch nach dem Verbleib der Eltern. "Sehr oft" geben die Jugendlichen an, dass beide Eltern tot oder ebenfalls auf der Flucht sind. "Manche können nur sporadisch Kontakt herstellen." Für die Anhörungen brauchen die Richter Übersetzer in ungewöhnlichen Sprachen: Dari (Persisch), Farsi oder Tigrigna, wie es in Eritrea gesprochen wird. Die Dolmetscher für derart exotische Sprachen kommen vom Regensburger Übersetzungsdienst Nowak.

Der jüngste Flüchtling war Geburtsjahr 2001, ein 14-jähriger Syrer, allein unterwegs. Die Richterin hat selbst Kinder im Teenageralter und darf sich eine Einschätzung des Alters schon zutrauen: "Wenn einer 14 Jahre ist, sieht man das auch." Bei einigen, die nach eigenen Angaben 18 sind, war sich die Juristin nicht ganz so sicher. Eine Prüfung ist mangels Papieren nicht immer möglich.

An Arbeit mangelt es bei der Justiz also nicht. Das wusste auch der neue "Chefpräsident" aus Nürnberg. Der Mehrbedarf sei "nicht unerheblich": Der OLG-Bezirk Nürnberg könnte nach objektiven Bewertungskriterien um die 50 Richter und etwa 40 Staatsanwälte mehr vertragen. Jammern wollte der Präsident dennoch nicht: "Im jetzigen Doppelhaushalt haben wir erfreulicherweise einen Nachschlag bekommen." Die bayerische Justiz wird mit 100 zusätzlichen Stellen ausgestattet. Für Weiden fällt davon ein halber Richter ab, sagte Strötz auf Nachfrage.

Amtsgericht am Ackern

Das Landgericht Weiden ist nach Einschätzung von Vizepräsident Schwerdtner "einigermaßen zufriedenstellend aufgestellt". Bei den beiden Amtsgerichten Weiden und Tirschenreuth sieht es, auch aufgrund von Schwangerschaften und Krankheit, "etwas ungünstiger" aus. Nachwuchsprobleme habe die bayerische Justiz nicht, betonten die Gäste aus Nürnberg. Strötz: "Die bayerische Justiz ist als Arbeitgeber nach wie vor attraktiv." Auch aus anderen Bundesländern gingen Bewerbungen ein. Nach wie vor würden "nur Absolventen mit sehr guten Examina" genommen, bekräftigte Schwerdtner.
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