Plötzlich riecht alles anders

Sie gestalteten die Eröffnung der Weihnachtsausstellung im Neuen Rathaus: OB Kurt Seggewiß, das Trio "Kreizderquer", Petra Vorsatz und Stefan Neubauer. Bild: Kunz

Erst gab's ein Poesiealbum, das einer Familie zum Verhängnis wurde, dann munterte das Trio "Kreizderquer" aus Windischeschenbach die Stimmung wieder auf. Und schließlich gestand OB Kurt Seggewiß dass er sich schon das ganze Jahr auf diese Stunde gefreut habe. Die Stunde, in der die Weihnachtsausstellung eröffnet wurde.

Tief unter die Haut ging Christian Metzners Geschichte über einen "Weihnachtsschlitten", die Petra Vorsatz am frühen Samstagabend bei der Eröffnung der Weihnachtsausstellung im Neuen Rathaus erzählte. Ein Poesiealbum wurde einer Familie zum Verhängnis und führte einer 70-Jährigen noch einmal vor Augen, was ihre Neugier 1944 bei ihrer Familie ausgelöst hatte.

Das Kind hatte nämlich fälschlicherweise gedacht, auf dem Schlitten im Stall, den sie trotz strikten Verbots ihrer Eltern betreten hatte, befänden sich ihre Weihnachtsgeschenke. In ihrem Eifer schrieb sie ihre Entdeckung ins Poesiealbum der Freundin, mit dem Hinweis, den Eintrag erst nach dem Heiligen Abend zu lesen. Das Kind hielt sich aber nicht daran.

So kam es, dass anstatt des Christkinds die Gestapo vor der Türe stand. Es war nämlich in Ostpreußen jener Zeit strikt verboten, Fluchtpläne zu schmieden. Die von dem Kind beschriebenen Koffer auf dem Weihnachtsschlitten hatte die vor der Tochter geheim gehaltene Flucht der Familie verraten.

Musikalisch aufgehübscht wurde der Spätnachmittag im großen Sitzungssaal vom Trio "Kreizderquer" aus Windischeschenbach. Gesungen und musiziert wurden alte Ländler, ein Menuett und Weihnachtslieder. Oberbürgermeister Kurt Seggewiß sagte, dass er sich schon das ganze Jahr auf diese Stunde gefreut habe.

Es sei schon irgendwie komisch, wie sich die Stimmung an Weihnachten verändere und was mit den Menschen passiere. "Plötzlich riecht alles anders. Man freut sich auf den Braten." Jedes Mal, wenn zwei Menschen sich verzeihen, wenn einer einem anderem hilft oder jemand beschließt, endlich ehrlich zu werden, dann sei Weihnachten.

Petra Vorsatz und Stefan Neubauer von den Lustigen Konradern lasen Geschichten rund um das Fest vor. Es ging um einen unfolgsamen Esel, der wegen seiner Bockigkeit das Jesuskind und die heilige Familie sicher vor den Häschern König Herodes über die ägyptische Grenze gebracht hat. Es ging um den Tanz des Räubers Horrificus, der zum Heiligen wurde und es ging um Engeltage und das, was Charly gesagt hat.

Wunderschön die russische Weise "Bajuschki Baju" und der "Reichenfelder Boarische". Nach der besinnlichen Stunde mit Kurt Seggewiß, Petra Vorsatz und Stefan Neubauer im Licht der Laternen, eröffneten die Besucher die Weihnachtsausstellung.

Viele Exponate stammen aus dem Fundus des Stadtmuseums. Barbara Lindner und Brigitte Werl haben Weihnachtsminiaturen zur Verfügung gestellt. Es gibt weihnachtliche Puppenküchen zu sehen, Jesuskinder, Christbaumschmuck und Krippen aus aller Welt. Neubauer: "Weihnachten ist eine Kerze in der Dunkelheit, ein grüner Zweig."
Weitere Beiträge zu den Themen: Dezember 2015 (2649)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.