Polizei findet Rezeptformulare und viele Drogen: 38-Jähriger streitet Handel ab
Verhängnisvoller Notizzettel

Schon mehrfach wegen Rauschgiftdelikten verurteilt, wurde ein jetzt 38-Jähriger nach zwei Therapien wieder rückfällig. Landgerichtsarzt Dr. Bruno Rieder schätzte die Erfolgsaussichten für eine abermalige Drogentherapie denn auch als "eher gering" ein.

Im Juli vergangenen Jahres war der Mann aus dem Landkreis Tirschenreuth am Münchner Hauptbahnhof Zivilfahndern aufgefallen. Seine fahle Gesichtsfarbe und seine Angabe, dass er zu einem Techno-Konzert wolle, veranlassten die Beamten dazu, ihn zu kontrollieren. Nach einem gescheiterten Fluchtversuch nahmen sie ihn fest. Auf der Wache fanden sie dann 1,77 Gramm Crystal, eine geringe Menge Ecstacy sowie etwas Marihuana in seinen Taschen beziehungsweise in seinem Gepäck. Eine Hausdurchsuchung in der nördlichen Oberpfalz förderte weitere 50 Gramm Methamphetamin, Cannabis-Samen, gestohlene Rezeptformulare und 2775 Euro Bargeld zutage. Außerdem fand die Polizei Rauschgiftzubehör und einen Notizblock, auf dem zahlreiche Namen und dahinter stehende Geldbeträge vermerkt waren. Hinter den Namen vermutete Staatsanwaltschafts-Gruppenleiter Christian Härtl Kunden des Ledigen, zumal einige von ihnen im Zusammenhang mit Rauschgift schon auffällig wurden.

Einen Bezug zwischen seinen Notizen und Drogengeschäften leugnete der Angeklagte am Donnerstag vor dem Schöffengericht. Durch seinen Anwalt Franz Wittl (München) ließ er den Besitz des Methamphetamins und die anderen Delikte zwar einräumen. Jedoch habe er alles nur für den Eigenkonsum erworben. Handel habe er nicht getrieben. Seit seiner Jugend konsumiere er Haschisch und Amphetamin. "Nach der großen Grenzöffnung" habe er mit Methamphetamin begonnen, berichtete der Vater eines Sohnes (4). Nach der letzten Verurteilung habe er eine Therapie erfolgreich abgeschlossen. Erst kurz vor der Festnahme im Juli sei er rückfällig geworden.

Rechtsanwalt Wittl beantragte die Zeugeneinvernahme aller auf den Notizzetteln genannten Personen, um den Verdacht des Rauschgifthandels auszuräumen. Amtsgerichtsdirektor Gerhard Heindl vertagte den Prozess auf Montag, 14 Uhr.
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