Polizisten erinnern sich an "Rio"-Einsatz: Beinahe die Pistole gezogen
Schläge von allen Seiten

Völliges Chaos. Ein Polizist am Boden, hysterisch kreischende Frauen, spürbare Aggressivität. "So einen Einsatz vergisst man nie wieder": Sieben Polizisten schilderten am Dienstag, was sie am 23. Februar gegen 1.30 Uhr im "Rio-Raum" erlebt hatten.

Unter den Zeugen war auch der schwer verletzte Polizeihauptmeister, der zu Boden gegangen war, als er einen Angreifer festnehmen wollte. Nachdem die Polizei zu einem Einsatz wegen nächtlicher Ruhestörung gerufen worden war, hatte er sich mit einem Kollegen in den Treff junger Leute in der Asylstraße begeben. Im dunklen, von Diskobeleuchtung spärlich erhellten Gastraum erwartete die Beamten ein Pulk von etwa 15 Personen in aggressiver Stimmung, wie die Zeugen erzählten.

Ein junger Mann - er hatte vorher den Nachbarn geschlagen, der die Polizei gerufen hatte - habe sie mit lautem Geschrei empfangen: "Raus! Raus! Verschwindet! Das ist Privatgrund!" Der Aufforderung mitzukommen leistete er ebenso wenig Folge wie jener, die Bierflasche wegzustellen. Vielmehr sei er - "schreiend wie ein Wahnsinniger", "wie ein Psycho" - auf ihn zugestürzt, berichtete der Polizist. Er habe daraufhin versucht, den Angreifer zu Boden zu bringen. Unglücklicherweise sei dies jedoch gescheitert, und er sei unter ihm zu liegen gekommen. Schon habe es von allen Seiten Tritte und Faustschläge gehagelt. Bei der Aktion verletzte sich der 34-Jährige zudem am Knöchel so, dass er drei Monate dienstunfähig war.

"Hätte sogar geschossen"

Ein zweiter Polizeihauptmeister, der seinem Kollegen zu Hilfe eilte, bekam von hinten einen Stuhl auf den Kopf. Den ersten Schlag konnte der 30-Jährige noch mit dem Unterarm abwehren. Der zweite traf ihn im Nacken und am Rücken. "So einen Gewaltausbruch habe ich vorher noch nie erlebt", sagte der Beamte, der seit zwölf Jahren im Dienst ist. Die anderen fünf Polizisten schilderten die "brenzlige, erschreckende Situation" ähnlich. Sie hatte damit geendet, dass der Verletzte in einer Art von "geordnetem Rückzug" hinausgetragen wurde. Ein 45-Jähriger: "Wenn wir da nicht raus gekommen wären, hätten's uns erschlagen." "Wenn es so weiter gegangen wäre, hätte ich sogar geschossen", sagte der durch den Stuhl verletzte Beamte. Er erinnert sich noch an das "hasserfüllte Gesicht" des 28-Jährigen, der nun wegen versuchten Totschlags vor dem Schwurgericht steht.

Ob eine Tötungsabsicht vorlag und ob und inwieweit Rauschgift die Schuldfähigkeit des Angeklagten beeinträchtigte - das müssen Landgerichtspräsident Walter Leupold sowie die Richter Markus Fillinger und Matthias Bauer und die Schöffen heute entscheiden. Zuvor halten Oberstaatsanwalt Rainer Lehner und Verteidiger Jörg Meyer (Regensburg) die Plädoyers.
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