Präsident Berndt Posselt fordert sozialen Umbau - Paneuropa-Union tagt in Weiden
Mehr Kultur für Europa

Bernd Posselt, Präsident der Paneuropa-Union, wünscht sich einen Fortgang des europäischen Einigungsprozesses. Bild: Götz
(räd) Bernd Posselt sieht die Europäische Einigung am Scheideweg. Vor den 41. Paneuropa-Tagen unter dem Motto "Bayern und Böhmen - ein Kulturraum im Herzen Europas", die am Freitag mit mehr als 200 Teilnehmern aus 19 Nationen in Weiden begannen, sagte der Präsident der Paneuropa-Union, diese stehe unverändert zu diesem Ziel. Bestrebungen, die EU wie vom britischen Premierminister David Cameron gewünscht in eine bloße Freihandelszone zu verwandeln, erteilte er eine klare Absage. "Wir brauchen so etwas wie die Vereinigten Staaten von Europa." Dazu gehöre eine gemeinschaftliche Außen- und Sicherheitspolitik sowie eine Europäischen Armee. Posselt wünsche sich, dass Großbritannien in der EU bleibe, "aber nicht um jeden Preis".

Posselt möchte Europa nicht auf die Wirtschaft reduziert sehen. "Das Zeitalter des schrankenlosen Kapitalismus ist zu Ende." Die Paneuropa-Union wolle Wachstum, wolle Marktwirtschaft mit sozialer Gerechtigkeit und ein ökologisches Europa. "Das werden hoffentlich bei G7 zentrale Aussagen sein", sagt Posselt. Die Zeit "des schrankenlosen Kapitalismus ist ebenso vorbei wie die des Sozialismus. 25 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhanges müssen wir endlich der Tatsache Rechnung tragen, dass man nicht einfach den östlichen Materialismus durch den westlichen ersetzen darf." Zum Gipfel der sieben führenden westlichen Industrienationen (G7), der am Sonntag im oberbayerischen Elmau beginnt, sagte Posselt, die "Gipfel-Methode" komme an ihre Grenzen. Aber: "Ich sage nicht, dass das unnötig ist."

Posselt forderte die Nachbarschaft mit Tschechien massiv auszubauen. Neben den Bereichen Kultur und Wissenschaft müssten Deutschland und das Nachbarland auch bei der Schaffung von Verkehrsverbindungen besser zusammenarbeiten. Als "schlicht skandalös" bezeichnete er die Eisenbahnverbindungen. Die Teilnehmer des Treffens besuchen an diesem Samstag die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg und Tschechien. Bei der Abschlusskundgebung am Sonntag zum Thema "Die EU aus der Mitte Europas erneuern" spricht unter anderem Kanzleramtsminister Peter Altmaier aus Berlin.
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