Prager "Orbis Trio" präsentiert Werke von Reger, Martinu und Kapralova
Beziehungen im Spiel

Petra Brabcova (Violine, Mitte), Petr Malisek (Violoncello, rechts) und Stanislav Gallin (Klavier, links) lassen ihr Publikum bei den Max-Reger-Tagen ein Déjà-vu erleben. Bild: Kunz
Treuen Besuchern der Max-Reger-Tage kommt das Klaviertrio e-Moll op. 102 von Max Reger als eine Art musikalisches Déjà-vu-Erlebnis bekannt vor. Mit diesem Stück wurde nämlich das letztjährige Weidener Festival eröffnet. Am Mittwochabend dürfen die Zuhörer dasselbe Werk im Großen Sitzungssaal des Alten Rathauses - vom stilsicheren Prager "Orbis Trio" vorgetragen - noch einmal erleben.

Reger aus dem "Effeff"

Wie sich zeigt, kennen Petra Brabcova (Violine), Petr Malisek (Violoncello) und Stanislav Gallin (Klavier) "ihren" Reger aus dem "Effeff" und - was noch wichtiger ist - sie verstehen ihn auch. Das Klaviertrio, das zu einem der bekanntesten Kammermusikwerken Regers zählt, wird nach der Pause vorgetragen. Vorher lauscht das Publikum den Arbeiten zweier böhmischer Tonsetzern und einer mährischen Komponistin.

Brillant eröffnet das Trio den Kammermusikabend mit Bohuslav Martinus "Bergerettes H 275". Der ausgebildete Geiger Martinu ist Zeitgenosse Regers, beginnt allerdings erst zu komponieren, als Reger bereits tot ist. Wie sich zeigt, ist das Konzert als eine Art Beziehungsspiel aufgebaut. Denn Martinu war 1922 Schüler von Josef Suk, dessen Werk den zweiten Programmpunkt beisteuert. Martinu eroberte sich seinen Platz in der französischen Avantgarde, nachdem er damals nach Paris übersiedelte, wo er neben Debussy und Strawinsky auch die Elemente des Neoklassizismus und der Jazz-Musik kennenlernte. Kraftvoll und freudig: Seine fünf überwiegend schnellen und ähnlich gebauten Sätze aus "Bergerttes", die von den Tschechen ebenso spritzig und effektvoll vorgetragen werden.

Antonin Dvoraks Lieblingsschüler Josef Suk war derjenige, der tatsächlich einen sehr engen Kontakt zu Max Reger pflegte. Die beiden waren fast gleichaltrig und befreundet. Suks "Elegie, op. 23" war ursprünglich im Original für Solovioline, Solocello, Streichquartett, Harmonium und Harfe geschrieben. Erst später komponierte es Suk in eine Fassung für zwei Soloinstrumente und Klavier um.

Vier kurze Klavierstücke

Das letzte Stück vor der Pause stammt von der für damalige Verhältnisse sehr emanzipierten Vitezslava Kapralova, die im Alter von 25 Jahren starb und 50 Kompositionen hinterließ. Ihr Zyklus "April preludes, op 13" umfasst vier kurze Klavierstücke, die das "Orbis Trio" bearbeitet hat. Gerade mit diesem Stück hatte die Komponistin und Dirigentin in den 40er Jahren weltweit große Erfolge gefeiert.

Auch sie gilt als Teil des Beziehungsspiels, weil sie in Paris Martinu kennenlernte, der sie mit den großen musikalischen Meistern der Vergangenheit vertraut machte. Das überschaubare Publikum lauscht auch den Ausführungen der Musikwissenschaftlerin, Susanne Popp, vom Karlsruher Max-Reger-Institut, die den Abend moderiert.
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