Preis für Waldpionier

Beratungsförster Anton Preischl (rechts) erläutert einigen Teilnehmern bei der Exkursion zum Waldumbau wichtige Aspekte, die der Privatwaldbesitzer Richard Beer (Zweiter von rechts) aus Ipflheim vorbildlich berücksichtigt und umgesetzt habe. Bild: gm

Es ist nicht zu hoch gegriffen, wenn man Richard Beer aus Ipflheim (Gemeinde Ebermannsdorf) als einen "Waldidealisten" bezeichnet. Bald erhält er dafür auch gewissermaßen eine amtliche Bestätigung. Und 1000 Euro.

Für vorbildliche, dynamische Waldbewirtschaftung im Rahmen des Umbaus mit Blick auf den Klimawandel seit gut 17 Jahren wird Beer am 19. November von Landwirtschaftsminister Helmut Brunner in München mit dem Staatspreis des Ministeriums ausgezeichnet. Er ist mit 1000 Euro dotiert.

Große Freude herrscht darüber auch bei seinem Beratungsförster Anton Preischl vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Amberg, der Beer seit 1992 berät. Ebenso bei Forstdirektor Richard Schecklmann, der die Begrüßung beim Dialogforum für "Waldnaturschutz durch naturnahe Waldbewirtschaftung heutzutage" am Freitag im 9,6 Hektar großen Beer-Wald bei Ipflheim vornahm.

Nicht nur Kiefern

Zahlreiche Gäste aus den umliegenden Gemeinden, den Ämtern, vom Bayerischen Jagdverband und den Umweltschutzverbänden waren der Einladung des Landwirtschaftsamtes nach Ipflheim gefolgt. Ziel des Dialogforums war es, Anstöße für Waldbewirtschafter zu geben und Erfahrungen auszutauschen, zum Beispiel für den Umbau vom reinen Kiefernwald in einen naturgemäßen, stabilen Mischwald, und das in durchaus langsamer, behutsamer, aber auch kontinuierlicher Form. Dabei soll neben dem Umweltgedanken auch der finanzielle Aspekt des Waldes als Anreiz genutzt werden.

Die Umwelt im Kopf

Der Privatwaldbesitzer Richard Beer (50) entstammt einer kleinen Landwirtschaft in Ipflheim und hat den seit 1992 Stück für Stück um den Ort angekauften Wald zu seinem Hobby gemacht. Zusätzlich habe ihn die Jagd geprägt; er sehe den Wald nicht nur aus dem Blickwinkel des Nutzens, sondern insbesondere auch aus Sicht der Notwendigkeit für die heutige Umwelt mit waldbaulich ökologisch-sozialen Zielen.

Diesen Pioniergeist, verbunden mit Liebe und Leidenschaft für den Wald, bestätigten ihm Anton Preischl und Richard Schecklmann. Schritt für Schritt habe Beer die großen Kiefern entfernt und tausende von Rotbuchen sowie zum Beispiel Weißtannen und "Stauern" wie auch viele andere Laubhölzer immer wieder nachgepflanzt. Beide lobten den Privatwaldbesitzer Beer für nachhaltiges, ganzheitliches Denken, das nun mehr und mehr Früchte trage. Auch Beers Tochter, sie studiert Forstwirtschaft, und sein Sohn seien schon in die "gute Sache" involviert und "wachsen so mit Vaters Wald auf".

Preischl und Beer hätten über viele Jahre beim Waldumbau wichtige Erfahrungen gesammelt, betonten die beiden. Die Naturverjüngung, das Wild in Zusammenhang mit Baum-Jungbeständen samt Einzäunung in Einklang zu bringen, sei sehr wichtig. Und beim Waldumbau für die nächsten 100 Jahre, also beim Weg zurück zur Natur, gehe es im Forst auch um Nischen sowie Lebensraum für viele Kleintiere. Wenn man waldbaulich naturnah arbeite, gebe es auch Zuschüsse, so Preischl. Mehrschichtigkeit im Wald mit Blick auf das Alter sowie Nadel und Laub sei gefragt. Und Brombeerstauden, die in geringem Umfang auch im Wald ihren Sinn haben, können nur über Lichtentzug von oben durch andere Bäume eingedämmt werden.

Klimawandel macht Druck

Waldbewirtschaftung unter dem Druck des Klimawandels als über uns hängendes Damoklesschwert sei eine langfristige Angelegenheit, die Geduld und Ausdauer brauche. Der Staat wolle stabile Wälder, bei denen der Grundsatz "nützen und schützen" gelte. Und wenn die rund 700 000 Klein- und Privatwaldbesitzer in Bayern in diesem Sinne mit Blick auf die Umwelt dazuhelfen, etwas zu verbessern, dann gebe das Hoffnung für den Wald der Zukunft. Preischl sagte, er berate und unterstütze bei Hilfe zur Selbsthilfe.

Preisträger Richard Beer spendierte neben einer Packung Kienspan zum Anschüren im Winter auch einen Imbiss.
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