Problem Jugendstil im Pfarrhof

So war"s wohl mal gewesen: Stadtpfarrer Markus Schmid an einer weiteren Probestelle. Aus dem farbigen, hüfthohen Sockel wachsen die Jugendstil-Blumen. Bild: Götz

Wahrlich kein Luxus-Projekt. Nur das Allernotwendigste wird im Pfarrhof St. Josef saniert. Damit soll wenigstens der Standard erreicht werden, der in Pfarrhäusern längst üblich ist. Dennoch ist eine Investition von 503 000 Euro nötig. Darin eingepackt sind Maßnahmen, die das Landesamt für Denkmalpflege fordert.

Stadtpfarrer Markus Schmid sieht die anstehende Aufgabe relativ nüchtern. Er bringt Erfahrung bei der Sanierung alter Pfarrhöfe aus Windischeschenbach mit. "Wir haben hier einen Kostenvoranschlag. Aber wir wissen noch nicht, was uns die Sanierung des Pfarrhofes wirklich kostet." Zwar ist die Substanz gründlich untersucht und dokumentiert. In einem historischen Pfarrhof, in dem seit 50 Jahren nur das Nötigste instandgesetzt wurde, ist jedoch niemand vor Überraschungen sicher.

"Es rieselt und graupelt"

Und die gab's bereits - etwa im Bischofszimmer im ersten Obergeschoss. Schimmel. Stockflecken. Abplatzender Putz. "Es rieselt und graupelt." Und unter der Tapete kamen die übertünchten Relikte aus der Gründerzeit zutage: wertvolle Jugendstil-Malereien. Nicht nur dort, sondern auch in den Fluren, im Treppenhaus und an den Decken schuf der bunte Farbenmix mit den floralen Mustern eine besondere Stimmung. Auch die mehrfach überstrichenen Türen wirkten wohl ursprünglich wesentlich wohnlicher.

Die Originale sind von einer Qualität, die sofort das Landesamt für Denkmalpflege auf den Plan rief. Zumal sie deutlich machen, dass einst Pfarrkirche, Pfarrhof und das Kloster in der Luitpoldstraße als einheitliches Ensemble gesehen und entsprechend innen komplett im Jugendstil gestaltet waren.

Nur "Schaufenster"

Fast zwei Wochen brauchten zwei Experten, um an einer 1,2 mal 1,2 Meter großen Probefläche im Flur des Obergeschosses die Malereien freizulegen, die unter Tapeten, Farbe und teilweise Putz schlummern. Eine Restaurierung aller Jugendstil-Elemente ist sowieso nicht finanzierbar. Die originalen Muster sollen nur an wenigen Stellen als "Schaufenster" freigelegt werden.

Auf dem Großteil der Flächen bleibt die ursprüngliche Bemalung weiter verborgen. Zu sehen sein wird lediglich eine neuzeitliche "Nachahmung". Anhand der gesicherten Flächen können Schablonen gefertigt werden, mit denen relativ schnell und damit auch kostengünstig die historischen Malereien nachahmen lassen.

Weder Bistum noch Kirchenstiftung beteiligen sich an den 93 000 Euro, die die Restaurierung bzw. Sicherung der Jugendstil-Elemente im Pfarrhof kostet, betont Kirchenpfleger Karl Süß. Das Landesamt für Denkmalpflege steuert hingegen 50 000 Euro bei, was den hohen Wert der Malereien unterstreicht. Weitere 10 000 Euro kommen jeweils vom Bezirk Oberpfalz sowie von der Bayerischen Landesstiftung. Den Rest muss die Pfarrei mit Spendengeldern finanzieren. Hier haben sich bereits zwei Weidener Banken engagiert.
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