Problematischer Zufall

Lokales
Weiden in der Oberpfalz
06.09.2015
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Der Prozess gegen ein mutmaßliches Drogenschmuggler-Quartett wird kompliziert. Und das, obwohl - oder besser: weil - sich ein Zeuge gemeldet hat.

Wie der Zufall so spielt. Zufällig wurden zwei mutmaßliche Rauschgiftschmuggler - ein 37-jähriger Vietnamese und ein Deutscher - unabhängig voneinander im Bereich des Landgerichts Weiden gefasst. Zufällig saßen sie in zwei Zellen nebeneinander in U-Haft. Und zufällig hatten beide denselben Verteidiger: Rechtsanwalt Stephan Schütz (Weiden). Weil nun der Deutsche gegen den 37-Jährigen aussagen will, was ihm dieser in der JVA Nürnberg angeblich über seine Taten anvertraut hat, droht der schon sechs Verhandlungstage andauernde Prozess gegen ein Quartett, dem Drogenschmuggel vorgeworfen wird, zu platzen.

Zweifel an Aussagen

Der 37-Jährige war zusammen mit einem Landsmann (40) und einer Vietnamesin sowie mit einem Heranwachsenden mit tschechischer Staatsbürgerschaft auf der Autobahn bei Waidhaus mit 418 Gramm der Droge Crystal im Kofferraum ihres Peugeots erwischt worden (wir berichteten). Der 40-Jährige, vertreten von den Rechtsanwälten Adam Zurawel und Jasmin Tobisch aus Nürnberg, behauptete schon zu Beginn des Prozesses, dass die anderen nichts von dem Rauschgift in zwei Turnschuhen und einer Packung Damenbinden gewusst hätten. Auch will keiner der Angeklagten je etwas mit Rauschgift zu tun gehabt haben.

Eine Aussage, die nun ein Gutachter vor Gericht widerlegte. Lediglich bei einem war es laut Dr. Rainer Fritsch "fraglich", ob er konsumiert hat. Bei allen anderen hatten sich deutliche Spuren von Methamphetamin oder THC in den Haarproben gefunden. Auch die angebliche Ahnungslosigkeit der drei ist nach der Aussage einer Jugendamtsmitarbeiterin fraglich. Gegenüber ihr hatte der 20-jährige Tscheche erklärt, dass er nach einiger Zeit sehr wohl gewusst habe, dass die Reise nach Schweden geführt hätte und dass es keine Urlaubsfahrt gewesen sei.

Richtig problematisch wurde es, als es dann vor Gericht um die Aussage des Belastungszeugen ging. Rechtsanwalt Schütz hatte, außer den 37-Jährigen, bis vor Kurzem eben auch den Deutschen vertreten. Weil eine Pflichtenkollision gedroht hatte, gab Schütz letzteres Mandat ab. Trotzdem befürchteten die anderen Verteidiger im Verfahren vor der 3. Jugendkammer, dass Schütz' Verschwiegenheitspflicht gegenüber seinem früheren Mandanten, dem Deutschen, eine verfahrensgerechte Vertretung des 37-Jährigen behindern könnte. Und dass das auch negative Auswirkungen auf die anderen Angeklagten haben könnte.

Sinneswandel in der Pause

Rechtsanwältin Katrin Gehre (Leipzig) stellte den Antrag, Schütz von der Verteidigung zu entbinden und das Verfahren auszusetzen. Der 37-Jährige wollte zuerst seinen Verteidiger behalten. In einer Prozesspause - nach "Belehrung" durch die anderen drei - kam jedoch ein Sinneswandel. Er erklärte, dass er das Vertrauen verloren habe. Über den Antrag wollten die Richter Reinhold Ströhle und Peter Werner nicht Hals über Kopf entscheiden. Sie werden ihren Beschluss erst am Mittwoch, 16. September, bekanntgeben. Sollte Schütz nicht entbunden werden, sind noch weitere sieben Prozesstermine angesetzt. Der Mitinsasse wurde zunächst nicht vernommen.
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