Prozess gegen 27-jährigen Weidener beginnt - 38 Zeugen und drei Sachverständige
Rio-Krawall: Versuchter Totschlag angeklagt

Die Stadt hatte das "Rio", Linken-Treff in einem Rückgebäude in der Asylstraße, schon länger im Visier. Problem: Gegen "Privatpartys" gab es keine rechtliche Handhabe. Nach den Vorfällen im Februar hat das Bauamt eine Nutzungsuntersagung ausgesprochen. Bild: Götz
Laut Staatsanwaltschaft laufen parallel gegen zwei weitere Gäste separate Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung. Einer dieser Beschuldigten soll Auslöser der Eskalation gewesen sein. Die Polizisten, die gegen 2 Uhr das Lokal betraten, hatten seine Personalien feststellen wollen, weil eine Körperverletzung an einem Hausbewohner im Raum stand. Der junge Mann wurde laut Staatsanwaltschaft aggressiv und ging mit einer Flasche auf einen Polizisten los.

Als der Beamte ihn am Boden fixieren wollte, sei er von den anderen Gästen mit Fäusten traktiert worden. Bis schließlich der 27-Jährige laut Staatsanwaltschaft mit einem Holzstuhl ausgeholt habe. Hätte der Polizist nicht rechtzeitig reagiert und seinen Arm vorgehalten, hätte ihn der Angeklagte am Kopf treffen und sogar töten können, so die Anklage. Einer zweiten Stuhlattacke sei der Polizist ausgewichen. Der Beamte erlitt unter anderem eine Schädelprellung und war zwei Wochen außer Dienst. Der 27-Jährige ist seither in Untersuchungshaft. Verteidiger ist Rechtsanwalt Jörg Meyer (Regensburg), Vorsitzender Richter Walter Leupold. Vier Verhandlungstage sind angesetzt (15., 24., 28. und 29. Oktober, jeweils 9 Uhr). 38 Zeugen plus drei Sachverständige sollen gehört werden.

Nutzungsuntersagung

Im "Rio" hatten sich laut Anklage an dem Abend junge Leute zu einer "After-Show-Party" nach einem Juz-Konzert getroffen. Inzwischen hat die Stadt eine Nutzungsuntersagung ausgesprochen. Demnach sind "der Verkauf von Speisen und Getränken und öffentliche Musikdarbietungen untersagt". Genehmigt war der Raum ursprünglich als Schreinerei.

"Im Falle einer Verurteilung wegen versuchten Totschlags droht dem Angeklagten eine Haftstrafe zwischen 5 und 15 Jahren", erklärt Landgerichtssprecher Markus Fillinger. Eine Milderung sei möglich, was zu einem Strafrahmen von 2 bis 11 Jahren und 3 Monaten führen würde.
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