Prozess wegen Freiheitsberaubung und Körperverletzung - Eltern der Geschädigten schildern ihre ...
"Schon als Kind kranke Hasen angeschleppt"

Schon als Kind habe die Tochter kranke Hasen angeschleppt. Später waren es dann Kinder und Freunde, die sich in Not befanden. "Sie hatte immer eine Affinität zu Leuten, die sie für krank und traumatisiert hielt", beschreibt die Mutter die Geschädigte. Die 65-Jährige sagte am Dienstag im Prozess gegen einen 29-Jährigen aus. Er soll ihre Tochter (29) vier Wochen in der Wohnung seines Vaters festgehalten, verprügelt und vergewaltigt haben.

"Sie hat wohl gedacht, der ist krank, den muss ich heilen." Über Jahre habe die Tochter immer wieder die Beziehung zu dem vorbestraften Gewalttäter aufgenommen. So auch im Oktober 2013. Die Mutter holte sich Rat von Psychologen. Man riet ihr, nicht einzugreifen. "Wenn meine Tochter von ihm loskommen wolle, müsse sie den Schritt selbst tun." Ohnehin veränderte sich die Tochter stark und brach den Kontakt zu ihrer Umwelt ab, wie "jedes Mal, wenn er in ihren Umkreis kam". Meist war das Handy aus. Bei den seltenen Telefonaten hatte sie "den Eindruck, es hört jemand mit".

Drogen: "zu keiner Zeit"

In der Zeit unter seiner Kontrolle (November/Dezember 2013) hat die Geschädigte das Haus durchaus verlassen, unter anderem zu zwei Arztbesuchen. Der Angeklagte habe sie dabei auf Schritt und Tritt begleitet, so die Mutter: "Er war immer in der Nähe. Saß unten im Auto." Der Arzt bemerkte nichts von der Notlage der Patientin. Aber er schüttelt im Zeugenstand entschieden den Kopf zur Version des Angeklagten, sie sei drogenabhängig: "Sie hat zu keiner Zeit einen solchen Eindruck gemacht."

Der Vater (67) war außer sich, als er Ende Oktober 2013 den "Ex" an der Wohnung der Tochter sah. Er rief deren beste Freundin an: "Das sei unbedingt zu verhindern, sonst läuft meine Tochter ins Unglück." Als sie nicht mehr in ihre Wohnung zurückkehrte, sei er die Stadt abgefahren, bis er eines Nachts ihr Auto an dem Wohnblock stehen sah. Mehr unternahm er nicht, immer in der Annahme, sie sei freiwillig dort. Eine Drogenabhängige, damals Freundin des Vaters des Angeklagten, kam unangemeldet in sein Büro: Seine Tochter werde festgehalten, könne keinen Schritt alleine tun. "Die Frau hat keinen dramatischen Zustand geschildert. Ich wusste ja, dass er krankhaft eifersüchtig ist. Ich wusste, dass er gewalttätig ist, aber das wusste meine Tochter ja auch. Wenn ich den Hauch einer Ahnung gehabt hätte..."

Am Dienstag bevölkerten etliche Angehörige des Clans des Angeklagten das Gericht. Dafür mangelte es auffallend an Zeugen. Vier kamen nicht, darunter die Nachbarn, die die Polizei gerufen hatten. Landgerichtspräsident Walter Leupold ließ eine Streife ausschwärmen, die bis Mittag zumindest eine Mieterin aus der Wohnung darunter vorführte.

"Es war in der Früh. Wir haben viel Geschrei gehört. Lass mich raus, Hilfe, Hilfe", schilderte die 22-Jährige den Morgen des 12. Dezember 2013, an dem die Geschädigte von der Polizei befreit wurde. In den Wochen davor habe sie "jeden Tag" Streitereien gehört. "Erst schrie er, dann weinte die Frau." An besagtem Dezembermorgen war es "extrem schlimm". Als man das Wort "Waffe" vernahm, rief ihr Freund die Polizei an.

Schlagstock sichergestellt

Waffen fanden sich tatsächlich, wie ein Beamter der Polizei bestätige. Bei der Durchsuchung an diesem Morgen habe man in einer Kleiderkammer und im Wohnzimmerschrank zwei Knallgaspistolen gefunden. Außerdem stellte die Polizei einen Schlagstock sicher, "wie ihn die Polizei auch benutzt". Im Kühlschrank lagen Medikamente (steroide Anabolika). Eine Polizistin fotografierte auf der Wache die Verletzungen des Opfers: "Hämatome am ganzen Körper, an den Armen und Beinen, eine Beule, Striemen, blaue Flecken."
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