Psychologe erklärt, warum Paare erneut heiraten und es funktionieren kann
Ehe Nr. drei: "Es gibt Hoffnung"

"Sein Ja zueinander öffentlich zu machen, sich so richtig klar und deutlich zu erklären, das festigt nach außen, das zeigt, man steht zueinander." Diplom-Psychologe Gunter Hannig
Zwei Menschen heiraten einander zum dritten Mal. "Das habe ich am Samstag im Neuen Tag von der ersten bis zur letzten Zeile gelesen - und ich war baff", sagt Gunter Hannig. Er ist Diplom-Psychologe und hat als solcher immer wieder beruflich mit Krisen in Ehen und Familien zu tun. Sein Fazit: Das wiederholte Ja zueinander ist durchaus positiv.

"Wer drei Mal den gleichen heiratet, muss doch krank sein." So lautete eine häufige Reaktion auf den Bericht. Was meinen Sie als Psychologe: Sind die Eheleute krank?

Gunter Hannig: Dieses Paar hat doch keine Krankheit. Es versucht nur sein Leben zu gestalten. Aber mir war beim Lesen der Geschichte schon klar, dass das sehr ambivalente Gefühle hervorrufen wird.

Warum?

Hannig: Weil Paare, die so einen Schritt machen, in der Regel defensiver damit umgehen. Sie wissen ja durchaus um kritische Reaktionen allein schon aus dem Verwandten- und Bekanntenkreis.

Also liegt der Fehler darin, dass das Paar sein Glück öffentlich teilte?

Hannig: Im Gegenteil. Vermutlich geschah das ganz bewusst. Die schauen garantiert nicht zurück, sondern nur nach vorne. Sie wollen etwas Neues gestalten. Und das müssen sie auch. So ein expressives Vorgehen bietet Chancen.

Inwiefern?

Hannig: Sein Ja zueinander öffentlich zu machen, sich so richtig klar und deutlich zu erklären, das festigt nach außen, das zeigt, man steht zueinander.

Zugleich steht man aber auch mächtig im Feuer.

Hannig: Ja, die Kritik kommt geballt. Aber sie kommt nicht von hinten. Das Paar kann sie offen annehmen - und dann ist es auch wieder gut.

Das heißt, Sie geben den beiden beim dritten Versuch eine Chance?

Es gibt in der Tat Hoffnung. Soweit ich das beurteilen kann, hat sich die Lebenssituation des Paars stark verändert. Die Familienplanung ist abgeschlossen. Aus dem Elternpaar wurde ein reifes Paar. Und Krise bedeutet immer auch Chance, Entwicklung, Veränderung.

Kennen Sie aus Ihrem Beratungsalltag wiedervereinte Paare?

Hannig: Durchaus. Das ist ja auch nachvollziehbar.

Tatsächlich?

Hannig: Klar. Jedes Paar wägt ständig ab, was es aneinander schätzt und ob das in der jeweiligen Lebenssituation für eine Zukunft reicht. Manchmal tut es das nicht. Es folgt die Trennung. Aber Lebenssituationen ändern sich. So kommt es vor, dass man mit gewissem Abstand voneinander, das wiederfindet, was man einst so sehr aneinander geschätzt hat. Und nicht nur Personen und Lebenssituationen ändern sich. Auch die Zeit.

Heißt das, eine Wiederheirat kommt heute häufiger vor?

Hannig: In der Regel sind das Einzelfälle, die aber halten können.
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