Punktlandung um Punktlandung

Für die Kunstwelt steht der gebürtige Weidener Maler Thilo Westermann (links, neben Schauspielerin Iris Berben, bei der Präsentation der Escada-Kollektion in Berlin). Repro: ggö

Eigentlich ist der ehemalige Augustinus-Gymnasiast Maler. Seine Bilder zeigt zum Beispiel die Nürnberger Oechsner-Galerie, wo sie der Fashion-Director von Escada entdeckt hat. Das hat Folgen: Thilo Westermanns Werke zieren nun eine Escada-Kollektion, in die sich Stars wie Iris Berben hüllen und die Schaufenster in der 5th Avenue schmückt.

Filmstar Iris Berben schritt bei der Berlinale in einer Escada-Robe über den roten Teppich. Aber es war der Weidener Thilo Westermann, der diesen anziehenden Auftritt überhaupt erst möglich gemacht hat. Der ehemalige Abiturient des Augustinus-Gymnasiums, der heute als Maler wirkt, inspirierte die noble Mode-Marke mit seiner Kunst: Eine entsprechende siebenteilige Kollektion entstand, auf der Westermann Flora und Fauna auf unzählige Punkte bringt. Eine Kollektion, die eben auch Iris Berben und andere Prominente wie Natalia Wörner, Kelly Rutherford, Camila Alves oder Minnie Driver begeistert.

"Das ist schon ein gutes Gefühl", findet Thilo Westermann. Gerade räumt der 34-Jährige sein Atelier in Nürnberg auf. Vieles sei liegengeblieben, als er die Kollektion in New York und Berlin präsentiert hat. "Auch in Moskau und Tokio wird sie vorgestellt", erklärt Westermann. Im April folgt in Wien und Nürnberg die Präsentation seines Buchs "Vanitas". "Aber eigentlich bin ich Maler", sagt der Oberpfälzer bescheiden. Ein Pointillist, um genau zu sein. Das heißt, Westermanns Kunstwerke bestehen aus einer Vielzahl einzelner, von Hand gesetzter Punkte: "Ich rastere alles per Hand." So entsteht in langwieriger Arbeit - vier bis sechs Wochen vergehen pro Bild - ein Werk auf einem DIN-A4- oder -A5-Blatt, das hinter Glas geschützt ist. Dieses Bild wird dann auf das Fünf- oder Sechsfache vergrößert. "Ein Unikat entsteht, in dem das Motiv des Bildes wieder in einzelne Punkte zerfällt. Jeder einzelne hat dabei seine ganz eigene Form. Die handwerkliche Kunst der Malerei wird so sichtbar."

Kunst auf drei Dimensionen

Das begeisterte auch Daniel Wingate, Fashion-Director von Escada, einer Luxus-Mode-Marke mit Firmensitz in Aschheim bei München. Er besuchte die Ausstellung Westermanns in der Oechsner-Galerie in Nürnberg. Über die Galeristin Annette Oechsner, eine Förderin des Weideners seit seiner Zeit als Meisterschüler an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg, nahm Wingate Kontakt mit Westermann auf. "Die Idee mit dem Stoffdruck gefiel mir. Mein Konzept so weiterzuspinnen, fand ich großartig", erinnert sich der gebürtige Weidener. Weg von den zwei Dimensionen der Malerei, hin zu drei Dimensionen auf Kleidung.

Am Ende lieferte er Escada diverse Skizzen für die siebenteilige Sommer-Kollektion 2015 namens "Escada meets Thilo Westermann". So entstanden zum Beispiel ein Etuikleid mit Orchideen-Muster (1000 Euro) und eine Abendrobe mit Vasen-Stillleben (2200 Euro), alles aus feinstem Seide/Viskose-Gewebe. "Die entscheidende Frage für mich war immer: Wie kommt meine Malerei auf den Klamotten?", erklärt Westermann. Und? "Ich finde, großartig." Harrods in London oder Saks in New York auch. Nicht umsonst zieren Westermann-Kreationen die Schaufensterfronten auf der 5th Avenue.

Das klingt so, als könnte Thilo Westermann ganz gut von seiner Kunst leben: "Also ich kann mich nicht beschweren", sagt der Maler, Schriftsteller und Designer. Mehr ist dem wohl nicht hinzuzufügen. Außer vielleicht unbedingt ein Schluss-Punkt.
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