Quälende Frage

Am Gedenkstein in der Konrad-Adenauer-Anlage versammelten sich viele Bürger, um an die Reichspogromnacht vor 76 Jahren zu erinnern. Bild: Kunz

Brennende Synagogen, geplünderte und zerstörte Wohnungen und Betriebe von jüdischen Mitbewohner: Weidener Bürger erinnerten am Sonntagabend am Gedenkstein in der Konrad-Adenauer-Anlage an die Reichspogromnacht vor 76 Jahren. Damals wurden in der Max-Reger-Stadt 34 Juden ermordet.

Dem Anlass entsprechend würdig gedachten die jüdische Gemeinde, Kirchen, Politik und Bürger in der Konrad-Adenauer-Anlage der Weidener Opfer des Holocausts. "Sechs Millionen Juden wurden während des Zweiten Weltkriegs ermordet." Eine große Anzahl angesichts dessen, dass die Juden weltweit nur einen Bruchteil ausmachten, unterstrich Leonid Shaulov, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Weiden.

Das Gedenken sei wichtig. "Wir dürfen Faschismus und Terrorismus nie mehr zulassen." Begrüßt wurden die Teilnehmer vom evangelischen Pfarrer Peter Peischl. Bürgermeister Jens Meyer betonte, dass die Gedenkfeier zur Pogromnacht von 1938 an eines der dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte erinnere.

Trauer und Scham

"Es erfüllt uns mit Trauer und mit Scham." Die Frage, wie wir uns damals selbst verhalten hätten, sei heute noch quälend. "Die Nacht vom 9. auf den 10. November vor 76 Jahren, an die wir heute erinnern, war für die jüdischen Deutschen der Anfang eines nicht enden wollenden Schreckens." Meyer erinnerte an die tausenden brennenden Synagogen, geplünderten und zerstörten Wohnungen und Betriebe jüdischer Mitbewohner.

"Zahlreiche Juden wurden brutal attackiert, verletzt und viele ermordet." Allein in der Folge jener Nacht hätten die Nazi-Schergen 30 000 jüdische Männer in Konzentrationslager gebracht. "Diese Schandtaten fanden nicht im Geheimen statt. Nein, sie fanden auf offener Straße statt. Weithin sichtbar und weithin hörbar." Organisiert in der Machtzentrale der Nationalsozialisten.

Viele hätten mit Entsetzen reagiert. Die allermeisten hätten aber weggesehen. "Nur wenige standen ihren bedrängten jüdischen Nachbarn bei." Nach dem Schicksalsdatum habe kein Deutscher mehr daran zweifeln können, dass es dem NS-Regime mit seiner antisemitischen Hetze blutiger Ernst war. Leider zeige sich auch heute wieder an viele Beispielen, dass die Ausgrenzung Andersdenkender nicht überwunden sei.

Gleichzeitig bedeute der 9. November auch - und hier erinnerte Meyer an den Mauerfall von 1989 -, dass sich Freiheit und Demokratie nicht von alleine erhalten. "Diese Werte sind darauf angewiesen, dass aufrechte Bürger für sie eintreten."

34 Steine als Erinnerung

Schülerinnen des Neustädter Gymnasiums machten unter Leitung von Pfarrer Dr. Volker Wappmann in einem Gedankenspiel an den Zeugen Jehovas fest, wie es heute wäre, wenn diese Religionsgemeinschaft ausgegrenzt würde. Beim Totengedenken verlasen Constanze Schöner und Otmar Singer-Niederlegen die Namen der 34 ermordeten Weidener Juden. Schüler des Neustädter Gymnasiums und des Elly-Heuss-Gymnasiums legten Steine zu ihren Ehren am Mahnmal nieder.

Rabbiner Dannyel Morag sprach das Heiligungsgebet Kaddisch und die Fürbitten und spendete den Segen zusammen mit dem evangelischen Pfarrer Peischl und dem katholischen Geistlichen Alfons Forster. Es spielte die Klarinetten-Musik der Franz-Grothe-Schule.
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