Quartett nach Drogenschmuggel vor Gericht: Widersprüchliche Aussagen
Zweifel trotz Geständnis

Bei einer Routinekontrolle auf der A6 nahe Waidhaus ertappten im September Bundespolizei und Zoll eine Frau und drei Männer, die 418 Gramm Methamphetamin dabei hatten. Das Crystal war in Turnschuhen im Kofferraum versteckt, in der Hosentasche eines 40-Jährigen und in einer Packung Damenbinden, die der 27-jährigen Fahrerin gehörte. Am Mittwoch begann nun vor der 3. Jugendkammer des Landgerichts der Prozess gegen das Quartett.

Eine Bande?

Staatsanwalt Rene Doppelbauer warf den Vier in der Anklage vor, sich bereits Mitte 2013 zu einer Bande zusammengeschlossen zu haben, um durch Rauschgiftschmuggel an Geld zu kommen. Nach Erkenntnissen der Ermittlungsbehörden sei Schweden das Ziel der Fahrt gewesen, wo der Jüngste der Angeklagten, ein 19-Jähriger, die Drogen übergeben sollte.

Nach "Sondierungsgesprächen" mit Staatsanwalt Doppelbauer sowie den Richtern Reinhold Ströhle und Peter Werner entschloss sich lediglich einer der Angeklagten - der Mann, in dessen Hose Drogen waren - zu einem Geständnis. Obwohl es zu keiner Vereinbarung im Sinne eines "Deals" gekommen war, sicherte Vorsitzender Ströhle Rechtsanwalt Adam Zurawel (Nürnberg) zu, dass dies seinem Mandanten positiv angerechnet werden wird. Der 40-Jährige berichtete, dass er in Prag von einem Mann angesprochen worden sei, das Rauschgift für 2000 Euro Kurierlohn nach Paris zu fahren. Dieser habe auch die Turnschuhe befüllt. Er selbst habe, nach etwas Konsum, ein paar Gramm Crystal in die Tasche gesteckt. Von den Mitfahrern habe keiner etwas von dem Schmuggelgut gewusst. Auch habe seine Freundin, die Fahrerin, nichts mit Drogen zu tun. Es sei nicht Richtung Schweden gegangen, sondern über Saarbrücken Richtung Paris.

Rechtsanwalt Zurawel sah dies dadurch erwiesen, dass im Navi des Autos "Saarbrücken" als Ziel eingespeichert war. Der 37-jährige durch Rechtsanwalt Stephan Schütz vertretene Mitfahrer und der 19-Jährige, der von Matthias Melkus (Neutraubling) verteidigt wurde, bestätigten die Angaben. Allerdings sprach die Haar-Analyse aller Angeklagten eine andere Sprache. Diese wies bei ihnen hohe Rückstände von Crystal aus. Einer erklärte das Ergebnis dadurch, dass er sich in Prag wegen Kopfschmerzen mit Wodka eingerieben habe. Dabei war er der Polizei auch schon durch häufige Reisen nach Holland und Frankreich aufgefallen. Diese seien allerdings nur zum Arbeiten und Spazierengehen erfolgt, erklärte der Mann.

Verdächtige Nachrichten

Verdächtig auch: Nachdem die Vier gefasst worden waren, gingen auf ihren Handys Nachrichten aus Schweden ein. Der Text: "Die Sachen gehen zu Ende", "Wir müssen den Rest holen" und Ähnliches. Außerdem widersprechen die Angaben, die sie bei der Polizei machten, den jetzt vor Gericht getätigten Aussagen. So hatte der jüngste Angeklagte zur Polizei noch gesagt, er habe in Schweden die Drogen gegen Bezahlung weitergeben sollen. Die Verhandlung wird am heutigen Donnerstag um 9 Uhr fortgesetzt. Die 27-Jährige hat über ihren Verteidiger angekündigt, dass sie sich schriftlich zu den Vorwürfen äußern will. Neben weiteren Zeugen wird dann auch die Sachbearbeiterin beim Zoll gehört.
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