Queen of Leder- Rock

Lemuel Pitts (links) als Ike Turner, Peti van der Velde (rechts) als Tina: Auf die Hits der Rocklady musste das Publikum am Freitagabend bis zur Zugabe warten - aus urherberrechtlichen Gründen. Bild: Helmut Kunz

Natürlich war es nicht Tina Turner selbst, die am Freitag in Weiden auf der Bühne stand. Doch auch auf die echten Hits der Queen of Rock musste das Publikum bis nach Ende der Show warten.

Im schwarzen Lederfummel macht sie genauso viel her, wie die echte Tina Turner. Damit aber erst mal genug der Gemeinsamkeiten. Denn auch wenn die körperlichen Vorzüge - Figur und Schmollmund - Peti an der Veldes bei den Zuschauern echt Eindruck hinterlassen - darüber hinwegtäuschen kann das nicht, dass die Niederländerin nur eine - zugegeben gute - Kopie der echten Rock-Lady ist. Wer Tina Turner auf der Bühne live gesehen hat, weiß, dass sie jede Faser ihres Körpers einsetzt und ihren Auftritt auskostet. Das tut Peti nicht. Sie singt und tänzelt brav.

Musical nach dem Film

Am Freitagabend gastierte das "a.gon"-Theater München mit dem Musical "Queen of Rock" auf der Bühne der Max-Reger-Halle. Ein Stück, das sich inhaltlich streng an die Filmvorlage "Tina - What's Love got do with it?" hält. "Queen of Rock" ist auch ein kleines Stück weit Gesellschaftskritik. Regisseur Stefan Zimmermann tut das Richtige, um das Zeitgeschehen zu betonen. Er spricht die Rassendiskriminierung in den amerikanischen Südstaaten der frühen 60er Jahre an und setzt sich damit ein klein wenig von der Filmvorlage ab.

Aus Anna Mae wird Tina

Im Zentrum der Geschichte steht die Sängerin Anna Mae Bullock. Ihr sensationeller Aufstieg an der Seite von Ike Turner, ihr tiefer Fall nach der Scheidung und ihr umjubeltes Comeback als Solokünstlerin Anfang der 80er Jahre. Ike & Tina Turner, eine geniale Soul-Band, zerbrochen am Drogenkonsum des Bandleaders und an der Entwicklung auf dem Musikmarkt. Was ein Musical über Tina Turner unbedingt ausmachen muss, ist die Musik. Das sind die Ohrwürmer ihrer großen Erfolge. Aber wer hier ein Hit-Potpourri erwartet, sitzt in der falschen Halle. Aus urheberrechtlichen Gründen müssen Schauspieler und Sänger auf unbekanntes Rockmaterial zurückgreifen. Was manchen Besucher leicht irritiert.

Das Musical ist in erster Linie ein Ehedrama. Entdeckt von Ike Turner wird Anna Mae Bullock Backgroundsängerin in seiner Band. Später heiraten die beiden. Sie ist der Star des Rhythm & Blues und des Souls der 60er und 70er Jahre. Doch er schlägt sie, er betrügt sie. Tina, wie sie jetzt mit Künstlernamen heißt, wendet sich dem Buddhismus zu, stellt sich gegen Ike, der ihr sogar mit der Waffe droht. Nach der Scheidung verliert sie alles, behält nur noch ihren Namen: Tina Turner. Binnen weniger Jahre wird aus ihr ein Weltstar. Ihr Stern leuchtet heller als je zuvor. Sie wird zur Ikone, zur Legende der Pop- und Rockmusik.

Beachtlichen Anteil an der Vitalität des Stücks hat Peti van der Velde als zentrale Figur. Sie transportiert ihre anfängliche Leidenschaft für Ike und ihre spätere Angst vor ihm handwerklich sauber. Lemuel Pitts erweist sich allein schon von seiner Statur her als eher farbloser Ike Turner. Hinzu kommt, dass er sich akustisch nur schwer verständlich machen kann. Insgesamt bietet die Truppe eine frische Ausgabe der Biografie. Und wer nicht sofort nach dem Vorhang die Halle verlässt, der bekommt noch ein echtes Live-Tribute Konzert auf die Ohren. Zu Gehör kommen vier echte Tina-Turner-Hits, die bestens geeignet sind, die knapp 300 Besucher am Ende doch zu überzeugen.
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