"Radio Silence": Marco J. Riedl zeigt seinen ersten abendfüllenden Film im "Neue Welt"-Kino
Horror vom Feinsten, made in Weiden

"Radio Silence" - ein Film von Carsten Vauth und Marco J. Riedl (von rechts). Zur Weiden-Premiere folgten auch die Hauptdarsteller Charles Rettinghaus und Markus Knüfken (von links) der Einladung des gebürtigen Weideners Riedl. Bild: Kunz
Weiden. Er hat "Django Unchained"-Star Jamie Foxx die deutsche Stimme gegeben. Und wenn Sherlock Holmes alias Robert Downey jr. in unseren Kinos Verbrecher jagt, dann redet Charles Rettinghaus für ihn. Ein grau melierter Brillenträger, der sich nicht nur gewählt auszudrücken weiß - deshalb hat Marco J. Riedl ihn für die Rolle des Nachtschlitzers engagiert - sondern auch vor laufenden Kameras junge Damen zersägt.

Der nett aussehende Schauspieler und Synchronsprecher ist in Riedls ersten abendfüllenden Film "Radio Silence" kaum wiederzuerkennen. Im Foyer des "Neue Welt Kinocenters" gibt er, ein Sektglas in der Hand, den smarten Herrn im weißen Pullover. Im Film spielt er einen irren Metzgertyp, der mit seinen fleischig-schwülstigen Lippen und fetter Figur eine Frau um die andere killt.

Augenbrauen abrasiert

Ihm Film gibt er alles, was die Maske vermag. "Wir haben ihm eine Glatze und die Augenbrauen wegrasiert", erklärt Riedl. Der in Weiden gebürtige Regisseur und Kameramann kam als Siebenjähriger erstmals mit dem Kino in Kontakt. "Das war 1976. Ich hab im alten Anker-Kino King Kong gesehen. Frau Platzer war damals so nett und hat mich reingelassen, obwohl der Film erst ab 12 war." Es war Liebe auf den ersten Blick. "Ich habe gewusst: Das mach' ich auch." Drei bis vier Kinobesuche pro Woche war fortan Minimum. "Ich hab mein ganzes Taschengeld hineingetragen."

Mit 20 war es dann soweit. "Ich wollte Kameramann werden. Wollte das, was mir vorschwebte, optisch umsetzen. Hollywoodfilme wollte ich machen, nicht diese typischen deutschen Filme." Riedl war Hauptschüler, brauchte aber das Abitur fürs Studium. "Das hab ich dann innerhalb von vier Jahren nachgeholt." Mit dem Studium hat's allerdings nicht sofort geklappt. "Ich bin abgerutscht ins Fernsehen." Riedl arbeitete sechs Jahre als B-Kameramann für Nachrichtenmagazine oder Imagefilme.

Mit 33 hat Riedl schließlich Deutschlands besten Kameramann Michael Ballhaus kennengelernt, der ihn mit nach Italien nahm. Riedl durfte 14 Tage lang ans Set von "Gangs of New York", wo er Leonardo Di Caprio und Cameron Diaz kennenlernte. Mit 34 Jahren begann er das Studium - Studiengang Kamera - in Dortmund und schloss mit 41 ab.

Sein erster Neunzigminüter "Radio Silence - Der Tod hört mit" basiert auf dem preisgekrönten Kurzfilm "On Air", den Riedl auch schon in Weiden zeigte und der unter anderem 2010 in Cannes lief. "Das deutsche Publikum, in Berlin zum Beispiel, mag meine Filme nicht. Das liebt eher diese schwülstigen Dramen. Meine Filme - Kurzfilme bis zu 45 Minuten - laufen im Ausland sehr erfolgreich."

Die abendfüllende Langfassung gibt es ab Februar auf DVD und Blue Ray. Sie ist ein echter Psychothriller, bei dem man sich vor Spannung am liebsten im Sitz des Vordermanns festbeißen möchte. "Ich bin mittlerweile so weit, dass ich alles selber mache: Drehbuch, Kameraführung und Regie. Mit meinem Freund Carsten Vauth natürlich."

Erzählt wird ein Katz- und Maus-Spiel zwischen dem Nachtschlitzer und einem illegalen Radiomoderator (Markus Knüfken). Es geht um eine Mordserie im Verbreitungsgebiet eines Lokalsenders, in die plötztlich der Moderator einbezogen wird. Kamera, Farben und Story erinnern deutlich an amerikanische Psychothriller aus den Fünfzigern. Am Ende gab's viel Beifall. Bereits am 2. Januar wurde der Film in 36 deutschen Kinos im Rahmen einer Horror-Night gezeigt.
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