Rasenmäher-Diebe: Bewährung für 21-Jährigen - Für "Spontan-Tat" entschuldigt
Nur Schmiere gestanden

Eine beispiellose Einbruchsserie in Garagen, Sport- und Vereinsheime hielt vor gut einem Jahr den ostbayerischen Raum in Atem. Die Täter waren vor allem auf hochwertige Rasenmäher scharf, die sie dann zu Geld machten. Die Bilanz: 66 500 Euro Entwendungs-, 25 660 Euro Sachschaden. Die Polizei fasste drei Polen, als sie von einem Einbruchsversuch in Rothenstadt mit zwei Klein-Lkws nach Luhe fuhren.

In den Fahrzeugen fanden sich ein Navi mit eingespeicherten Daten diverser Sportplätze, Einbruchswerkzeug und ein Schlüsselbund, den die Gesetzeshüter einem gestohlenen Aufsitzmäher zuordneten. Zwei Täter wurden im November 2014 zu Haftstrafen verurteilt: ein Erwachsener zu zwei Jahren und zehn Monaten, ein Heranwachsender zu zweieinhalb Jahren. Ihre Berufung gegen das Urteil war erfolglos. Nun stand ein zum Tatzeitpunkt knapp 21-Jähriger vor dem Jugendschöffengericht. Ihm konnte nur die Beteiligung an einem versuchten Einbruch nachgewiesen werden.

Am 6. Mai 2014 war er mit den Komplizen nachts um 3 Uhr vor dem Sportgelände des TSV Erbendorf vorgefahren. Mittels eines sogenannten Geißfußes hebelten sie das Holztor auf und versuchten über ein gekipptes Fenster in das Tennisheim einzudringen. Als das Licht in der Hausmeisterwohnung anging, flüchtete das Trio unverrichteter Dinge. Als es in der folgenden Nacht gefasst wurde, kam auch der 20-Jährige in U-Haft. Nach knapp vier Monaten hob das Oberlandesgericht - nach einer Haftbeschwerde von Rechtsanwalt Adam Zurawel (Nürnberg) - den Haftbefehl auf.

Keine Beute vereinbart

In der Verhandlung am Mittwoch gab sich der Mann reumütig und einsichtig. Er entschuldigte sich und stellte seine Tatbeteiligung als äußerst gering dar. Ursprünglich sei er mit dem gemieteten Transporter zum Sperrmüllsammeln nach Deutschland gekommen. Bei dem Einbruch in Erbendorf habe er nur Schmiere gestanden. Verteidiger Zurawel nannte die Tat seines nicht vorbestraften Mandanten eine "Spontan-Tat", bei der nicht einmal fest gestanden habe, welchen Anteil an einer eventuellen Beute er bekommen sollte. Auch, dass nur geringer Sachschaden - 400 Euro - entstanden sei, möge das Gericht berücksichtigen. Zurawel beantragte, keine Haftstrafe zu verhängen, sondern nur "Zuchtmittel" wie etwa Freizeitarrest, die zudem mit der verbüßten U-Haft zu verrechnen seien.

Staatsanwaltschafts-Gruppenleiter Peter Frischholz plädierte auf acht Monate Jugendstrafe zur Bewährung. Jugendrichter Otmar Schmid und die Schöffen verhängten sechs Monate auf Bewährung. Jugendrecht sei anzuwenden, weil Reiferückstände nicht auszuschließen seien, sagte Schmid. Der 21-jährige Berufslose wohnt in einem polnischen Dorf noch bei seinen Eltern.
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