Raser machen Ferien

Die Zahl der Raser sinkt. Um knapp die Hälfte. Das zumindest zeigt ein erster Blick auf die Temposünder-Bilanz der beiden Monate Juli und August, die die Stadt nun vorlegte. Ein Beleg für den Lerneffekt aus Tempokontrollen muss das aber noch nicht sein.

Im Detail nahm die Stadt im Juli 6153 Fahrzeuge an neuralgischen Punkten wie vor Schulen, Bushaltestellen, Spielplätzen und Kindergärten ins Visier. 612 Autos waren zu schnell unterwegs. Im August drückten nur noch 325 Lenker von 5974 Fahrzeugen zu kräftig aufs Gaspedal. Das sieht nach einem Erfolg im Kampf der Geschwindigkeitsüberwachung gegen Raser aus.

Hat es sich herumgesprochen, dass seit April an 44 Stellen in der Stadt das Tempo kontrolliert wird? Gab es einen Lerneffekt? Nicht unbedingt. Denn beim zweiten Blick fällt auf: August ist der Ferienmonat schlechthin. Das Verkehrsaufkommen in der Stadt und insbesondere vor geschlossenen Schulen und urlaubenden Kindergärten nimmt entsprechend ab, der Alltag auf den Straßen entschleunigt, die Fahrzeuglenker womöglich mit. Die Zahlen stützen diese These: Denn der Juli, der einzige Monat seit Messbeginn, in dem keine Schulferien waren, zeigt bei ungefähr konstanter Zahl an gemessenen Fahrzeugen (6153) die mit Abstand höchste Verstoßquote von knapp 10 Prozent. Im Umkehrschluss könnten die Raser im August schlicht Ferien gemacht haben.

Länger beobachten

Dabei wäre es auf den dritten Blick für Eltern beruhigend zu wissen, wenn mit Kindergarten- und Schulbeginn nun Tempo-Disziplin auf den Straßen vor den Einrichtungen herrscht. Für eine solche Gewissheit aber taugen die Zahlen eines einzigen Monats nicht. Als belastbar stufen Statistiker in diesem Zusammenhang Zahlenmaterial erst über einen längeren Zeitraum, etwa über Jahresvergleiche hinweg, ein. Das wird es auch geben. Die Stadt will schließlich an der Tempoüberwachung festhalten. Die Folge? Einen vierten Blick zu riskieren, wird sich auch lohnen.
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