Rathaus Rothenstadt verkauft

Der Nachbar, der bereits vor vier Jahren das einstige Bauhof-Areal erwarb, kaufte nun von der Stadt Weiden auch das ehemalige Rothenstädter Rathaus. Das Gebäude, Baujahr 1951, steht auf einem 865 Quadratmeter großen Grundstück. Im Erdgeschoss weist es 126 Quadratmeter Nutzfläche und im ersten Obergeschoss zwei Wohnungen (66 und 55 Quadratmeter groß) auf. Bild: Hartl

Das Haus hat Symbolkraft, auch wenn schon seit Jahrzehnten die Amtsstunden ausfallen. Die Bürger im Weidener Süden verlieren das letzte Stück Erinnerung an ihre einstige Selbstständigkeit: Die Stadt Weiden verkaufte das Rothenstädter Rathaus.

Die ehemaligen Rothenstädter Gemeinderäte, die nach der Eingemeindung 1978 noch jahrzehntelang die Geschicke der Stadt Weiden mitbestimmte hatten, waren von der Stadt nicht informiert. "Äußerst bedauerlich" nennt Josef Melch (SPD), der hier sogar noch als stellvertretender Bürgermeister residierte, den Verkauf des Anwesens. "Warum das Rathaus verkaufen?" Er stellt damit ausnahmsweise dieselbe Frage wie Georg Hägler (CSU).

Von den Socken

Hans Hiermaier, der Dritte aus der Rothenstädter Gemeinderatsriege, die im Weidener Stadtrat Karriere machte, ist "von den Socken". "Das gibt's nicht." Und es sei eigentlich unverständlich, denn mit der Sparkasse logiert im Rothenstädter Rathaus ein ebenso verlässlicher wie solventer Mieter.

Bereits vor vier Jahren veräußerte die Stadt Weiden den ehemaligen Bauhof der Gemeinde (803 Quadratmeter Fläche, dazu Nebengebäude) an einem Rothenstädter Unternehmer, der - in der Nachbarschaft beheimatet - das Areal dringend benötigte. Er kam nun erneut zum Zuge.

Stadtkämmerin Cornelia Taubmann bestätigt den Verkauf, der für die Stadt "wirtschaftlich sinnvoll" sei. Die Erlöse aus der Miete reichten nicht, um das alte Anwesen zu unterhalten, geschweige denn zu sanieren. Auch den "Rothenstädter Stadträten" sei seit Jahren bekannt, dass das ehemalige Rathaus auf der Verkaufsliste stand.

"Vom Eingang gleich nach links" ging's in den Sitzungssaal, erinnert sich Melch. Dort war Platz für die 15 Gemeinderäte, Bürgermeister Anton Schröpf und ein Dutzende Zuhörer. Nach rechts ging's übers Vorzimmer zum Amtszimmer und weiter zur Kasse. Anton Schröpf, ursprünglich Gemeindeangestellter, hatte auch im Obergeschoss gewohnt, war aber schon vor seiner Wahl ausgezogen. Ebenfalls im Obergeschoss bewohnte lange der Gemeindekämmerer eine kleine, bescheidene Unterkunft. Eine Wohnung steht derzeit leer.

Schon ein Jahr nach Eingemeindung und Umbau zog die Stadtsparkasse in das Rothenstädter Rathaus. Die Filiale eröffnete unter Leiter Siegfried Schmid am 3. August 1979.

Über zwei Jahrzehnte gab's dann in Rothenstadt eine Besonderheit: Neben der Stadtsparkasse war die Kreissparkasse (später Vereinigte Sparkassen) mit einer Geschäftsstelle vertreten. Erst im Mai 2002 zog sich die Kreissparkasse aus dem südlichsten Weidener Ortsteil zurück.
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