Rauer Wind in den Betrieben

Die führenden Gewerkschafter in der Oberpfalz gaben einen Einblick in ihre Arbeit (von links): Anna Forstner (GEW), Katrin Mayer (IG Metall), Karl Toth (IG Bau), Karlheinz Winter (Verdi), Horst Ott (IG Metall), Christian Dietl (DGB-Regionsgeschäftsführer), Hartmuth Baumann (IG BCE), Franz Popp (EVG), Peter Hofmann (DGB-Regionssekretär), Josef Bock (DGB-Kreisvorsitzender Neustadt/WN) und Wolfgang Lubig (DGB-Rechtsschutz GmbH). Bild: Wilck

Es gibt sie noch, die Chefs, die den Betriebsrat fürchten wie der Teufel das Weihwasser. Dennoch versuchen die Gewerkschaften weiter, in den Firmen Fuß zu fassen. "Der Wind ist sehr rau", betont Hartmuth Baumann, der Bezirkleiter der IG Bergbau, Chemie Energie.

Beim Jahrespressegespräch der Gewerkschaften am Aschermittwoch schildert Baumann die prekäre Situation: "Die Arbeitgeber sind da knüppelhart, hetzen schon mal ihre ,Hunde' auf uns." Ein Betriebsrat, der die Rechte der Arbeitnehmer einfordere, werde schnell als Störenfried empfunden und bekämpft. Doch gerade in diesem Betriebsklima gebe es den besonderen Bedarf, Arbeitnehmerrechte einzufordern.

Wohl auch deshalb konnte die IG BCE Nordbayern im vergangenen Jahr 626 neue Mitglieder gewinnen. 242 Mitglieder verstarben, so dass die Gewerkschaft nun rund 14 000 Mitglieder zählt. Austritte gab es auch aufgrund von Firmeninsolvenzen, 60 Prozent der Auszubildenden in den Betrieben gingen 2014 zur Gewerkschaft. In neun von 30 Ausbildungsbetrieben liegt die Quote sogar bei 100 Prozent. "Das kann sich sehen lassen."

Seine Gewerkschaft werde im Zuge der "Offensive Mitbestimmung" versuchen, verstärkt Betriebsräte in den Unternehmen zu etablieren. Um den Mindestlohn durchsetzen zu können, sei "Kontrolle, Beratung und Hilfeleistung" nötig. Die IG BCE musste nach der ergebnislos verlaufenen ersten Tarifrunde erkennen, dass sie sich überraschend für einen Arbeitskampf zu rüsten hat. Nur so sei die geforderte Lohnerhöhung von 4,8 Prozent sowie die Weiterentwicklung des "Tarifvertrages Demografie" zu erreichen, unterstreicht Baumann. "Die Menschen sind bereit, sich für ihre Interessen einzusetzen. Sie wissen, Verbesserungen fallen ihnen nicht von selbst in den Schoß. Sie müssen selber darum kämpfen."

Die Glasindustrie leide immer noch an den schmerzhaften Nachwehen des Niedergangs der deutschen Solarbranche. Die Überproduktionen in der Papierindustrie und sinkende Nachfrage bewirkten Probleme in der Kaolin-Industrie.

Ernste Sorge machen sich die Gewerkschafter über den hohen Krankenstand in den Betrieben. Baumann: "Damit ist nicht die aktuelle Grippewelle gemeint, sondern die zunehmenden ernsthaften Erkrankungen im psycho-somatischen Bereich." Dies liege zum einen in der dramatischen "Verdichtung der Arbeit", zum anderen auch "an der Rolle der Führungskräfte". Immerhin 75 000 Menschen seien 2014 wegen psychischer Erkrankungen in Erwerbsminderungsrente gegangen: "Das sind 25 000 mehr als vor zehn Jahren."
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