Raus aus der rechten Szene

Felix Benneckenstein. Bild: fz

"Ich war mal Neonazi", sagt Felix Benneckenstein. Wie so ein junges Leben laufen kann, wenn man nicht aufpasst, erzählt der 28-Jährige den Schülern der Wirtschaftsschule - und hebt warnend den Finger.

Weiden. (fz) Im Zuge des Projekts "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" kam Benneckenstein mit Alexandra Schichtl von der Staatlichen Schulberatungsstelle an die Wirtschaftsschule. Schulleiter Thomas Reitmeier bezeichnete den Projektslogan als innere Einstellung, die "wir als Schule auch ausleben wollen". Es sei gut, aus erster Hand zu hören, wie man in so etwas hinein schlittern kann. Benneckenstein vermittelte dies überzeugend, sein 90-minütiger Vortrag fesselte die jungen Zuhörer. Der 28-Jährige ist heute Vorsitzender des Vereins Aussteigerhilfe in Bayern.

Alles fing nach seinen Worten mit "ziemlichem Blödsinn" im nicht-rechten Bereich an. Abbruch der Schule, einige Diebstähle und dann das Hören von Nazi-Musik. "Da wurde ich hellhörig", sagt er. Diese rechte Musik war das Richtige für ihn. Sie vermittelte Feindbilder wie den Staat und die Ausländer, die den Deutschen angeblich alles wegnehmen wollen. Dem Rest seiner Clique reichte das, ihm aber nicht mehr. Von Erding wechselte er mit dieser Ideologie in die klassische Neonazi-Szene zur Kameradschaft nach München. Die gab ihm das Gefühl, gebraucht zu werden. Vor allen Dingen, weil er ab 2005 hier als "rechter Liedermacher" gefragt war.

Kameradschaft aufgebaut

Mit 19 Jahren ging er zurück nach Erding. Den Kontakt zu den Eltern hatte er abgebrochen. Dort baute er eine eigene Kameradschaft auf. Das reichte ihm aber auf Dauer nicht. Es zog ihn nach Dortmund, wo "rechts" richtig was los war. Doch hier begann für ihn auch ein Umdenkungsprozess. Mit einigen anderen stellte er so manches zum Thema Hitler in Frage. Irgendwie hatte er auch gegenüber seinem geistig behinderten Bruder ein schlechtes Gewissen. Weil er und die anderen seiner Gruppe dann bedroht wurden und ihm der Schutz versagt wurde, ging er zurück nach München. Dort liefen einige Verfahren gegen ihn: Benneckenstein landete im Gefängnis. Hier kam er mit Abschiebehäftlingen in Kontakt. Als er von deren Schicksale erfuhr, habe er sich richtig geschämt. Er wollte eigentlich raus aus der Szene. Doch die Fehlgeburt seiner Freundin und die Todesnachricht von einem rechten Liedermacher hätten ihn wieder umgeschmissen. Er ging zurück in die Münchner Szene - wurde dann richtig auffällig.

2010 - nach einer Schlägerei mit einer rivalisierenden Gruppe - kam er sieben Monate in Haft. Hier leitete er den Ausstieg ein. Er sprach mit der Polizei und kontaktierte die Aussteigerorganisation. "Der Einstieg war ein Prozess von ein paar Wochen, der Ausstieg eine Sache von zwei bis drei Jahren", sagte Benneckenstein. Er hat den Schulabschluss nachgeholt und eine Lehre gemacht. Als Vorsitzender seiner Organisation begleitet er Aussteiger aus der rechten Szene.

Eltern waren erleichtert

Natürlich zog Benneckensteins Vortrag viele Fragen der Schüler nach sich. Wie haben die Eltern reagiert nach dem Ausstieg? Erleichtert! Wie reagiert das Umfeld auf Aussteiger? Mit Misstrauen, die ersten Jahre seien schwierig gewesen! Ob er heute noch Angst vor seinen ehemaligen Kameraden hat? Angst nicht, aber Vorsicht sei geboten. Am Nachmittag hielt Benneckenstein noch einen Vortrag an der Europa-Berufsschule.
Weitere Beiträge zu den Themen: März 2015 (9461)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.