Rechtzeitig zum 1. Mai: Richter Markus Fillinger erklärt die Rechtslage rund um den ...
Noch nie Maibaumdiebe vor Gericht

(ca) Den Burschen des "Wolframshofer Haisl" ist es in den letzten sechs Jahren gelungen, elf Maibäume zu stehlen. Nur: Begeben sich Maibaumklauer rechtlich auf dünnes Eis? Ist Maibaumdiebstahl eigentlich strafbar? Markus Fillinger, Sprecher des Landgerichts Weiden, ist Richter der Strafkammer und zugleich Zivilrichter. Mit "Maibaumdieben" hatte er dabei noch nie zu tun.

Sie sind selbst Mitglied in vielen Vereinen im Landkreis Neustadt/WN. Haben Sie schon einmal einen Maibaum geklaut?

Fillinger: Nein. Das habe ich nicht.

Wäre das denn strafbar?

Fillinger: Das kommt darauf an. Es ist nicht ganz so einfach. Diebstahl ist es nicht. Beim Klau eines Maibaums geht es ja darum, dass ihn der andere zurückerhalten soll. Für einen Diebstahl müsste die Absicht der dauernden Enteignung vorliegen. Es könnte eher den Tatbestand der Erpressung erfüllen: einen Menschen rechtswidrig durch Drohung mit einem empfindlichen Übel zu einer Handlung zu nötigen und seinem Vermögen einen Nachteil zufügen.

Können Sie das für den Laien übersetzen?

Fillinger: Normalerweise wird ja beispielsweise der Burschenverein genötigt, eine Brotzeit herauszurücken. Das wäre zwar ein Vermögensverlust, aber nicht unbedingt rechtswidrig, sondern durch das Brauchtum gedeckt. Wenn das im normalen Rahmen abläuft, ist das wohl in Ordnung. Wenn ich allerdings drei Hektoliter Bier verlange, dann wird das nicht mehr unbedingt vom Brauchtum zu decken sein.

Kurzum: Der Maibaumklau ist nicht strafbar?

Fillinger: Da wäre ich jetzt sehr vorsichtig. Sollte der Maibaum in einem Schuppen oder auf einem umzäunten Gelände versteckt sein, könnte man auch an Hausfriedensbruch denken. Kaputtgehen sollte dabei auch nichts. Dann wären wir bei der Sachbeschädigung. Ohnehin: Ich kann hier keine Gewähr für die Staatsanwaltschaft Weiden übernehmen. Schreiben Sie das unbedingt: Das ist keine Aufforderung, zur Tat zu schreiten!

Hatten im Landgerichtsbezirk Weiden jemals Richter und Staatsanwälte mit Maibaumdieben zu tun?

Fillinger: Nicht, dass ich wüsste, und ich bin ja auch schon einige Jahre da. Ich habe das auf die Schnelle mal allgemein recherchiert: Demnach haben sich bisher weder Gerichte noch Rechtsgelehrte damit beschäftigen müssen, ob der Maibaumklau sozialadäquat ist oder nicht.
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