Referat bei KAB Weiden-Ost: Horst Schymura stellt die Frage: "Islam - Freund oder Feind"?
Friedensbotschaft falsch verstanden

Professor Horst Schymura. Bild: sbü
(sbü) Die Antwort auf die Frage ließ der Referent offen: "Islam - Freund oder Feind", so hatte Professor Horst Schymura seinen Vortrag über die Religion betitelt. Informationen, um sich selbst ein Urteil auf die Frage zu bilden, hatte er für seine Zuhörer aber reichlich.

Horst Schymura aus Pentling bei Regensburg ist emeritierter Professor für Nachrichtentechnik. Seit 1991 befasst er aber auch eingehend mit einem fachfremden Thema, über das er schon drei Bücher geschrieben hat: dem Islam. Entsprechend viel Detailwissen über diese Religion brachte er mit: Schiiten, Sunniten, Dschihad, fünf Säulen des Islam und der Prophet Mohamed - alles Begriffe, die erklärt wurden bei seinem Vortragbei der KAB Weiden-Ost.

Neu erfinden

Am Ende der Ausführungen stand der Vorschlag: "Deutschland muss sich neu erfinden, um ein Gegengewicht gegenüber dem Islamstaat zu entwickeln." Mit dem Begriff "Islamstaat" verbindet Schymura aber weniger den IS-Terror, sondern vielmehr Religionsinhalte und Lebensformen, die manche aus dem Koran ableiten: "Islam ist Staatsreligion, Staatsoberhaupt ist ein Muslim. Es gibt eine Klassengesellschaft, an deren Spitze stehen Muslime. Es herrscht die Scharia." Schymura sagt allerdings auch, "dieses Modell ist außerkoranisch abgeleitet, deshalb diskutierbar". Christen und Juden würden in diesem Modell geduldet, hätten allerdings weniger Rechte und mehr Pflichten. "Alle anderen sind vogelfrei." Für Muslime habe der Staat keine Grenzen, er sei überall, wo Muslime lebten.

Schymura empfiehlt auch, im Dialog mit dem Islam "müssen Begriffe auf beiden Seiten gleich verstanden werden". Als Beispiel nennt er "Toleranz". Für den einen ist es "die Gnade des Herrschenden", für den anderen der "Umgang auf gleicher Augenhöhe". Schymura interpretiert den Koran selbst anders als die radikalen Islamisten. "Ich sage, der Koran ist eine Friedensbotschaft."

Viele Moslems würden den Koran selbst nicht lesen und nur Interpretationen anderer annehmen. "Wir müssen Muslime aufklären", sagte Schymura. "Lasst uns geistige Waffen schmieden um den kriegerischen Islam aus dem Koran heraus zu widerlegen." In den Mittelpunkt seiner Strategien gegen radikale Islamisten stellt er die Integration islamischer Mitbürger. Politiker schafften es allerdings nicht, ein Wertesystem zu formulieren, das für Zuwanderer eine Alternative darstellt. "Muslime müssten wissen, was es heißt, Deutscher zu sein." Deshalb müsse sich Deutschland neu erfinden.

Gottergeben sind alle

Die Jugend suche nach Identität, bei den radikalen Salafisten fänden einige diese. Schymura: "Der Islam fordert uns heraus. Seid endlich Christen." Er wünsche sich auch Pluralismus als Staatsphilosophie, denn "Pluralismus schließt den Islamstaat und den Nationalstaat aus". Neben diesen Hauptstrategien befürwortet Schymura die militärische Bekämpfung des IS. Begegnungen und gemeinsame Initiativen mit Moslems halte er für gut, "aber allein können sie die Probleme nicht lösen". Schließlich kam Schymura zur Gleichwertigkeit der Religionen: "Muslim sein, heißt, gottergeben sein. Wir sind alle gottergeben, denn hinter allen verschiedenen Gottesbildern steht das Göttliche".
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