"Regi" schlägt neue Seiten auf

Studentin Nina Beierl macht vier Wochen Ferienarbeit in der Regionalbibliothek. Sie rüstet in dieser Zeit tausende von Büchern mit den neuen RFID-Etiketten aus, die künftig die automatische Ausleihe und Rückgabe ermöglichen und Diebstahlsversuche anzeigen. Bild: Hartl

Nina Beierl leistet schon mal Vorarbeit. Die Studentin klebt eifrig neue Etiketten in die Bücher der Regionalbibliothek. Denn ab 20. Oktober wird's ernst: Die "Regi" rüstet um - in Richtung Selbstbedienung.

Weiden. (ps) Doch keine Bange. Ganz ohne Menschen geht's nicht. Wer Fragen hat, wird auch in Zukunft noch freundliche Mitarbeiter finden, die ihm weiterhelfen. Trotzdem, etwas reduziert wird das Personal schon. Um drei Teilzeitkräfte: "Aber sozialverträglich", betont Chefin Sabine Guhl. "Die Mitarbeiter gehen 2014, 2015 beziehungsweise 2016 in Rente."

Sechs Wochen geschlossen

Zwecks Umbau schließen die Pforten nach dem Weinlesefest (18. Oktober) bis einschließlich 1. Dezember. Sechs Wochen lang müssen die Leseratten dann ohne Nachschub auskommen. Dafür können sie sich in der Woche vor dem 18. Oktober allerdings kräftig eindecken. Darauf hoffen Sabine Guhl und ihre Mitarbeiter sogar ausdrücklich. Denn: Wenn alle 130 000 Medien der "Regi" an Bord wären, würden die Regale gar nicht ausreichen. Schließlich sind im Normalbetrieb immer mehrere tausend Bücher und CDs im Umlauf. Deshalb gilt: Wer ab 27. September Bücher ausleiht, erhält als Rückgabedatum automatisch den 2. Dezember. Bei CDs und DVDs gilt ab Mitte Oktober ebenfalls der 2. Dezember als Rückgabetermin.

Ab 2. Dezember werden die Kunden dann im bisherigen Eingangs- und Thekenbereich ein völlig neues Ambiente vorfinden. Die Eingangshalle wird - ähnlich wie bei einer Bank - mit einer Glaswand unterteilt. Gleich rechts - dort, wo der Kunde bisher durch die Scheibe zur Theke blickt - werden zwei Rückgabeautomaten installiert. "Die funktionieren ganz einfach", erklärt Sabine Guhl. "Klappe auf, Buch rein. Dann geht eine zweite Klappe auf, das Medium wird zurückgebucht und über ein Förderband in sieben verschiedene Kisten vorsortiert."

Der Vorteil für die Kunden: Die Automaten sind rund um die Uhr zugänglich. Der Vorteil für die "Regi": Durch die Kennzeichnung mit dem neuen RFID-System (radio-frequency identification) sind alle Medien diebstahlgesichert - wie Kleidungsstücke in einem Kaufhaus. "Deshalb verbleiben alle Originalscheiben künftig in ihrer Hülle", sagt Sabine Guhl. "Wir sparen uns also die endlose Sucherei in den Schubladen, in denen die CDs bisher noch aufbewahrt werden."

Der bisherige Thekenbereich wird ebenfalls umgestaltet. Hinter Milchglasscheiben verlaufen hier künftig die Förderbänder der beiden Rückgabeautomaten. Außerdem werden drei Selbstverbuchungsgeräte installiert, an denen die Kunden Bücher und CDs ausleihen können. "Das geht ganz einfach", verspricht Sabine Guhl. "Meine Schwiegermutter ist fast 80 und sie macht das in ihrer Bücherei in Berlin ganz begeistert." Die Wartezeiten werden dadurch deutlich reduziert: Denn statt einer Rückgabestelle gibt es dann zwei, statt einer Ausleihstelle gleich drei. "So entzerrt sich alles. Das ist vor allem für die Leute gut, die ihre Mittagspause für einen Besuch bei uns nutzen."

In dem derzeit noch durch eine Wand verdeckten Büroraum rechts von der Treppe werden ab Dezember zwei Mitarbeiter als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Die sechswöchige Schließung wird aber auch für Renovierungsarbeiten genutzt. Die Fenster werden gestrichen und das Parkett im ersten Stock wird neu eingelassen. Für das "Regi"-Team bedeutet das, einige 10 000 Bücher müssen umgeräumt werden, damit der Holzboden frei zugänglich ist.

Fernleihe läuft weiter

Die gute Nachricht für alle Oberstufenschüler: Die Fernleihe geht ohne Unterbrechung weiter. Die Bestellung läuft ohnehin online, und Sabine Guhl hat mit Stefanie Dietz vom Keramikmuseum vereinbart, dass die Medien während der Umbauarbeiten im Museum ausgegeben werden. Guhl: "Das ist wichtig, weil die Oberstufenschüler gerade in dieser Zeit über den Seminararbeiten sitzen."

Das "Regi"-Team ist derweil hinter den Kulissen nicht nur mit Bücherschleppen beschäftigt. Hauptaufgabe ist es, sämtliche Medien mit den neuen Etiketten zu versehen, die die automatische Ausleihe ermöglichen und bei Diebstahl Alarm schlagen. Bei Büchern - wie es Ferienarbeiterin Nina Beierl derzeit macht - "geht das recht flott", weiß Sabine Guhl. "Bis zu 1000 Büchern pro Tag." Bei CDs und DVDs müssen die RFID-Etiketten aber ganz akkurat aufgeklebt werden, sonst lassen sich die Silberlinge nicht mehr abspielen. "Deshalb schafft man maximal 300 am Tag. Da werden 130 000 Medien zur Plage."
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