Reif für die Wirtschaft?

Über die Bachelor-Ausbildung an den Hochschulen diskutierten (von links) Dr. Jürgen Helmes, Hauptgeschäftsführer der IHK Regensburg, OTH-Präsidentin Prof. Dr. Andrea Klug, Moderator Clemens Fütterer (Medienhaus "Der neue Tag), Bernd Fürbringer, Geschäftsführer der Franz Kassecker GmbH, und Wolfgang Reif, Bereichsleiter der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz. Bild: Bühner

Der "Bachelor" beim Fernsehsender RTL mag ein Quotenbringer sein. Aber "Ist der Bachelor im Unternehmen ein Erfolgsmodell"? Darüber diskutierten jetzt die Experten.

(sbü) Vor 16 Jahren begann eine Hochschulreform in Europa, die als Bologna-Prozess bezeichnet wird. Kernelement ist die Aufteilung des Studiums in Bachelor- und Masterabschlüsse. Bereits mit dem Bachelor sollen ausreichende akademische Qualifikation für gehobene Tätigkeiten erworben werden. Ob dies gelang? Das wollte die IHK Regensburg bei einer Podiumsdiskussion in der Max-Reger-Halle von Experten aus Hochschule, Wirtschaft und Verbänden wissen. Als Moderator fungierte Clemens Fütterer vom Neuen Tag.

Zunächst wurde eine im Auftrag der IHK durchgeführte Unternehmensbefragung vorgestellt, die Erfahrungen mit Bachelor-Absolventen beleuchtet. Sie attestiert diesen Berufseinsteigern zahlreiche Defizite. Dennoch sieht Professorin Dr. Andrea Klug , Präsidentin der OTH Amberg-Weiden, die Bologna-Reform insgesamt positiv. Wichtigste Elemente sind für sie die zunehmende "Vernetzung der Hochschule mit Unternehmen, um die Ausbildung praxisorientiert zu gestalten". Auch das duale Studium mit Berufs- und Hochschulabschluss zählt die Präsidentin auf. Durchlässigkeit habe es früher zum Beispiel bei den Diplom-Ingenieuren nicht gegeben.

"Defizite bei den Bachelor-Absolventen sind oftmals dem Alter zuzuschreiben", sagte Prof. Klug. Immer mehr finde die Entwicklung der Persönlichkeit eines jungen Menschen an der Hochschule statt. Manche seien noch nicht einmal volljährig, wenn sie ein Studium beginnen. Die Hochschulpräsidentin wünscht sich deshalb "mehr Modelle mit flexibler Studieneingangsphase oder Streckung des ersten Semesters".

Insgesamt zufrieden mit den Bachelor-Absolventen zeigte sich Bernd Fürbringer , Geschäftsführer der Franz Kassecker GmbH, als Vertreter der Wirtschaft. "Der Diplom-Ingenieur steckt zwar noch in den Köpfen, aber die Studieninhalte sind bestimmt nicht leichter geworden", sagte er. Sein Unternehmen setze stark auf das duale Studium. Allerdings schränkte Fürbringer auch ein: "Die jungen Leute sind noch nicht ganz fertig." Dr. Jürgen Helmes , Hauptgeschäftsführer der IHK Regensburg erkennt die Defizitbeseitigung zum Beispiel bei analytischen und methodischen Fähigkeiten als Aufgabe der Hochschulen. Aber: "Organisationsfähigkeit oder Entscheidungsfähigkeit muss der Job bringen." Bildungsträger hätten auch die Aufgabe, "Fortbildungsinhalte auf die Absolventen der Hochschule zu implementieren".

Breiten Raum nahm in der Diskussion das Thema Fachkräftemangel und "Akademisierungswahn" bei den Berufsentscheidungen ein. "Wenn mehr als die Hälfte eines Jahrgangs sich für ein Studium entscheidet, ist dies ein falscher Weg", meinte Helmes. Die Auffassung "Wer nicht studiert, ist ein halber Mensch" sei ebenfalls falsch. "Der Bildungsmarkt ist für Planwirtschaft nicht geeignet."

Dass das Handwerk nicht grundsätzlich gegen die Akademisierung sei, betonte Wolfgang Reif , Bereichsleiter der HWK Niederbayern-Oberpfalz. Schließlich hätten auch 15 Prozent der Leiter von Handwerksbetrieben einen akademischen Abschluss. Aber der Bedarf sei in den dualen Ausbildungsberufen höher. Reif räumte auch ein, dass das Handwerk es lange Zeit versäumt habe, seine Vorzüge darzustellen. Zustimmung bekam bei diesem Thema auch Prof. Klug, als sie sagte: "Man kann immer weniger von den klassischen Ausbildungsgängen ausgehen." Die Hochschule habe bereits 300 Meister zum Studienabschluss geführt.
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