Rentner (72) wollte Polizei täuschen - Berufungsgericht lässt Gesundheitszustand prüfen
Unterschrift mit falschem Namen

Weiden. (rns) Gegen eine Verurteilung durch das Amtsgericht zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je zehn Euro legte ein 72-Jähriger Berufung zur 2. kleinen Strafkammer ein. Der Rentner soll an eine Frau und sogar an die Polizei Schreiben geschickt haben, die er mit falschem Namen unterzeichnete. Dies soll er getan haben, um die Frau von der Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen gegen ihn abzuhalten.

Mit dem Schreiben an die Polizeiinspektion Nabburg habe er die Einstellung eines Betrugsverfahrens gegen ihn erreichen wollen, warf ihm Staatsanwalt Dr. Christoph Edler vor. Mit dem Namen, den er vor seiner Adoption im Jahr 1946 geführt hatte, solle er die Schreiben beziehungsweise das Fax unterzeichnet haben, in denen er die Auflösung seiner Umzugsfirma bekundete und erklärt haben, dass er ins Ausland verzogen sei.

"Dass Sie die Schreiben verschickt haben, steht doch außer Frage", versuchte Landgerichtsvizepräsident Georg Grüner dem Mann aus dem Landkreis Schwandorf eine Rücknahme der Berufung schmackhaft zu machen. Dann würden auch derzeit ruhende Verfahren gegen ihn nicht wieder aufgenommen.

Der Verheiratete wehrte sich dagegen aber vehement. Nicht er, sondern ein Mann mit gleichem Namen wie sein Geburtsname, habe die Schreiben verschickt. Außerdem wisse er nicht, wie er die Geldstrafe bezahlen solle. "Muss ich wieder schwarz arbeiten oder mit Zigaretten aus der Tschechei handeln?", fragte er. Zu Landgerichtsarzt Dr. Bruno Rieder, der ihn auf seine Zurechnungsfähigkeit hätte prüfen sollen, sei er nicht gekommen, weil man da ja "gleich als deppert hingestellt" werde.

Da der offensichtlich schwer gehandicapte Angeklagte von erlittenen Schlaganfällen und diversen anderen Erkrankungen berichtete, erklärte sich Dr. Rieder bereit, die Untersuchung sofort vorzunehmen, was dann auch geschah. Richter Grüner setzte die Verhandlung aus.
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