Rothenstadt grüßt Schottland und Katalonien

Rothenstadt
Sind das da Verschwörer am Ecktisch beim "Schinderhannes"? Ist der Stammtisch im Gasthaus Lehner in Wahrheit eine revolutionäre Zelle? Seit kurzem schauen Weidener auf ihren südlichsten Stadtteil wie David Cameron auf schottische Unabhängigkeitsaktivisten.

Der Grund: In Etzenricht haben Unbekannte in der Nacht zum Sonntag fast alle Verkehrszeichen und Verkehrsspiegel mit Aufklebern vollgepflastert. Darauf steht mit roter Schrift auf schwarzem Hintergrund "Rothenstadt ist nicht Weiden". Zusätzlich ist noch das Wappen von Rothenstadt zu erkennen.

Die Etzenrichter erstatteten Anzeige. Angeblich weil sich die Aufkleber nur schwer entfernen ließen. Vielleicht haben sie aber auch Angst, irgendwann in Scharmützel zwischen Separatisten und "Pro Weiden" - halt, das ist jetzt was anderes, - also in Auseinandersetzungen mit Rothenstädtern zu geraten, die lieber Weidener bleiben wollen. Georg Hägler, langjähriger Stadtrat in Weiden und vorher Gemeinderat in Rothenstadt, kann sich nicht erklären, wer hinter der "Los-von-Weiden"-Kampagne stecken könnte. "Im Wirtshaus ist das doch schon lang kein Thema mehr." Doch Separatismus ist eben zurzeit wieder in. "Rothenstadt ist nicht Weiden" erinnert frappierend an das katalanische "Catalonia is not Spain". Das haben Fußballfans in Barcelona schon vor einem Millionenpublikum als Banner im Stadion ausgerollt. Von ähnlichen Plänen bei Heimspielen des VfB Rothenstadt ist noch nichts bekannt, aber man weiß ja nie. Auch dass die dortige Feuerwehr ihr Einsatzfahrzeug mit scharfen Geschützen ausrüstet, die Freischärler des Burschenvereins aus dem Lager Grafenwöhr erbeutet haben, ist bislang nur ein Gerücht. Oder dass die Rothenstädter mit ihrem Streben nach Unabhängigkeit dem drohenden Sparkatalog des Weidener Stadtrats entkommen wollen.

Andererseits lassen sich die Südstädter längst nicht alles gefallen. Von Landrat Christian Kreuzer ist in den 70er Jahren folgender Satz Richtung Weiden überliefert: "Dieses Rothenstadt hätte ich nicht genommen, die streiten so viel."

Dabei hatte sich Kreuzer vehement dagegen gewehrt, seine Landkreisgemeinde an die Max-Reger-Städter abzutreten. Wäre er noch am Leben, würde der erste Verdacht für den Urheber der subversiven Aufkleber-Aktion sofort auf ihn fallen.
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