Ruhig mal den Spieß umdrehen

"Höre erst einmal zu, was der andere sagt", empfahl Kommunikationstrainer Thomas Völkl. Bild: sbü

Vorstellungsgespräche scheitern oft daran, dass die Bewerber nicht die richtigen Worte finden. Was man wie sagen und wie man sich vorbereiten soll, das kann man üben. Ein Vortrag in der Arbeitsagentur gab dafür wichtige Hilfestellung.

Weiden. (sbü) "Bereiten Sie sich inhaltlich vor, was Sie konkret sagen wollen", lautete eine zentrale Empfehlung des Rhetoriktrainers und Spracherziehers Thomas Völkl. 90 Minuten bot er im voll besetzten Gruppenraum des Berufsinformationszentrums ein unterhaltsames Feuerwerk der wichtigsten Verhaltenstipps für Vorstellungsgespräche.

Was beim Bewerbungstermin richtig ist, dürfte auch auf viele andere Lebenssituationen übertragbar sein. Als elementar bezeichnete es Völkl, "sich selbst zu kennen und echt zu bleiben". Was zeichnet mich aus? Was unterscheidet mich von anderen? Das seien Fragen, die man sich selbst vorher beantworten sollte. Die Gesprächspartner würden sehr schnell merken, wenn man in eine fremde Rolle schlüpft.

Strukturiert antworten

Der Experte gab Empfehlungen, wie die "klassischen Fragen in Bewerbungsgesprächen" beantwortet werden sollten. "Was sind Ihre Stärken?", war ein Beispiel. Anstelle "Ich bin pünktlich, zuverlässig, ordnungsliebend und anderes" seien kurze Geschichten aus dem eigenen Leben ("Ich stehe als Verkehrshelfer jeden Tag um 7. 30 Uhr am Zebrastreifen") besser angebracht. Auch Antworten zu strukturieren ("Ich will zwei konkrete Beispiele geben") sei sehr sinnvoll. Je klarer und strukturierter gedacht werde, desto systematischer würden die Antworten ausfallen.

Völkl riet auch dazu, das Gespräch möglichst auf Augenhöhe zu führen und nicht als Bittsteller zu kommen. Schließlich gehe es auch darum, ob jemand zu einer Firma passe. Keinesfalls solle man sagen, was man nicht könne, sondern positive Formulierungen wählen. "Zeigen Sie den Weg und nicht das Problem", hieß ein weiterer Ratschlag des Referenten. Sehr ausführlich ging er auch auf die Stimmhöhe im Antwortverhalten der Bewerber ein. "Bleiben Sie im unteren Drittel ihres Tonumfangs, und senken Sie am Ende des Satzes die Stimme", riet Völkl den Zuhörern. Pausen, kurze Hauptsätze und möglichst Bauchatmung waren weitere Empfehlungen. Für sehr wichtig hält Völkl das "aktive Zuhören" und das "Einlassen auf das Gegenüber", denn oftmals wüssten Bewerber nicht, was der Gesprächspartner hören möchte. Weil die Wahrnehmung der Menschen sehr unterschiedlich sei, solle oftmals auch "konkret nachgefragt" werden. Auch gesprächsfördernde Reaktionen wie Nicken oder Lächeln seien wichtig. Und man könne durchaus auch einmal den Spieß umdrehen und fragen: "Was erwarten Sie von einer Bewerberin?"

Die Optik muss stimmen

In Bewerbungsgesprächen seien oftmals die ersten Minuten entscheidend. Zu diesem Zeitpunkt entstünden Einstellungen ("falsche Schublade"). Deshalb solle neben der Körpersprache auch unbedingt auf das passende äußere Erscheinungsbild geachtet werden. Äußerlichkeiten wirkten und verhinderten das Konzentrieren auf den Inhalt, meinte der Sprachtrainer.

Mit dem Vortrag schlossen die Arbeitsagentur Weiden und die Jobcentern Weiden-Neustadt und Tirschenreuth die Veranstaltungsreihe "Frau und Beruf" der Beauftragten für Chancengleichheit ab.
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