Rumms und Reißaus

Vandalismus oder Fahrerflucht? Der Außenspiegel jedenfalls ist abhanden gekommen. Solche kleinen Unfälle passieren täglich. Und fast täglich steht jemand nicht dazu. Die Polizei bittet deshalb Zeugen, sich zu melden. Bild: Hartl

Der Lack ist ab. Und mit ihm macht der Unfallverursacher die Fliege. Eine gefährliche Kurzschlussreaktion ist das. Sie kann dem Fahrer den Führerschein kosten, sogar eine Gefängnisstrafe droht - sollte nur ein einziger ihn beobachtet haben und unter 0961/401-0 anrufen.

Ach, wäre es doch immer so einfach wie am Dienstagnachmittag. Da krachte der Fahrer eines VW Polo in einen vor der Hauptpost geparkten Audi A 1 und machte sich flugs vom Parkplatz - ohne sich um den 300 Euro teuren Schaden am anderen Wagen zu kümmern, den er angerichtet hatte. Wenig später stand die Polizei bei dem 87-jährigen Unfallflüchtigen auf der Matte. Der Grund: Ein Mann hatte das Kennzeichen notiert und informierte die 37-jährige Audi-Fahrerin. Aufmerksame Zeugen aber sind nicht die Regel. Das bedauern Hunderte Betroffene, die auf ihrem Schaden sitzen bleiben. Und die Polizei.

443 Mal nahmen 2014 Menschen in der Max-Reger-Stadt nach einem Unfall Reißaus. "Das ist für eine Stadt wie Weiden ein hoher Wert", sagt der Sprecher der Polizeiinspektion, Günther Burkhard. Eine traurige Ausnahme? Von wegen. Ein Blick in die Statistik zeigt: Seit Jahren liegt die Fallzahl weit über 400. Woran liegt's?

"Weiden ist eine Einkaufsstadt", erklärt Burkhard. Sprich, es kracht vor allem auf den Großparkplätzen, wie es sie zuhauf an den Einkaufsmärkten in Weiden gibt. Tatort sei auch häufig der Naabwiesenparkplatz. Große Schäden entstehen bei den Zusammenstößen dort zwar selten. "Aber auf Zeugenhinweise sind wir gerade bei den kleineren Sachen angewiesen."

Bei 40 Prozent lag die Aufklärungsquote bei Unfallfluchten 2014 in der Stadt. Damit toppte die Polizei im Vorjahr den sonst üblichen Wert von gut 30 Prozent weit. Trotzdem findet Sprecher Burkhard die Quote noch zu niedrig und appelliert an alle Zeugen: "Verständigen Sie die Polizei, damit die Geschädigten nicht auf ihrem Schaden sitzen bleiben."

Ist erst mal der Tipp da, der zu einem flüchtigen Unfallfahrer führt, ist dessen Führerschein schnell weg. Und es kann noch dicker kommen: Das Gesetz sieht bis zu drei Jahre Haft nach einer Unfallflucht vor. Glück hat, wem nur zeitweise Fahrverbot und Geldstrafe auferlegt werden. Das blüht vermutlich jemandem, der Außenspiegeln das Fliegen lehrt. "Am Ende hängt die Höhe der Strafe davon ab, ob der Unfall bemerkt wurde", weiß Burkhard.

Als Unfall wird übrigens jeder Parkplatzrempler eingestuft, der einen Schaden ab etwa 30 Euro verursacht hat. Dabei steht es dem Unfallfahrer nicht zu, die Schadenshöhe eigenmächtig zu schätzen. Das kann er nämlich nicht, meint Burkhard und bemüht folgenden Vergleich: Da fährt einer gegen eine Hausmauer, steigt aus, besieht sich den Putz, meint "Passt schon" und fährt weiter. Drinnen aber fiel wegen des Rumms gegen die Außenmauer eine Vase um. "Das Minimum nach jedem Unfall ist, dass sich der Verursacher mit dem Geschädigten auseinandersetzt." Unter Umständen muss er dazu bis zu eine Stunde lang warten, findet der Gesetzgeber. "Wer die Zeit nicht hat und nicht Gefahr laufen will, als Unfallflüchtiger zu gelten, schaltet die Polizei ein", empfiehlt Burkhard. Telefon: 0961/401-0.

33 Mal hat das übrigens heuer von Januar bis April bereits geklappt. So weit, so gut - gäbe es im gleichen Zeitraum nicht noch 105 offene Fälle. So einfach wie am Dienstagnachmittag läuft's eben nicht immer.
Weitere Beiträge zu den Themen: Juni 2015 (7772)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.