Sackkarre bleibt in der Garage

Das Brüderpaar Bernd (rechts) und Karl-Heinz Ulrich sang auch viele Lieder aus dem neuen Album "Sommerträume".

Was hat Kabarettist Günter Grünwald vor kurzem bei seinem Auftritt in der Max-Reger-Halle behauptet? "Die Amigos" würden per Sackkarren auf die Bühne gefahren, wo sie zum Publikum hin ausgerichtet werden. Dort dürften sie dann "ihr Lied" singen und würden anschließend wieder abgeholt. Aber Hallo! Das stimmt ja gar nicht!

Anstelle des Sackkarrens parkte am Hintereingang der Max-Reger-Halle ein riesiger Truck mit den Konterfeis der beiden "Amigos". Und am Sonntagabend lieferten die Schlagerbarden dann eine feurige Gegendarstellung, paddelten ganz oben auf der Volksmusikwelle. Mit dem Fazit, dass der volkstümliche Schlager auch in Weiden lebt. Das Fan-Volk - über 900 Leute an der Zahl - flippte förmlich aus.

Im Schlussakt drängten die Freunde sogar nach vorne, um möglichst nah am Bühnenrand abzutanzen. "Die Amigos", das ist das Brüderpaar Bernd und Karl-Heinz Ulrich. Der eine singt nur und moderiert, der andere plappert auch dazwischen, spielt aber manchmal noch Gitarre dazu. Alle anderen Zutaten - Schlagzeug, Bläser, Percussion - kommen aus der Konserve. Vor dem Konzert hatten die beiden Musikanten bei einem ihrer Edel-Fans in Großbüchlberg (Kreis Tirschenreuth) aufgetankt, erzählten sie. Und dieser "Amigo" saß natürlich auch im Publikum. Bestimmt hatten sich die kleinen Frotzeleien zwischen den oberpfälzischen und oberfränkischen Volksstämmen schon vorher zu ihnen durchgesprochen. Jedenfalls wurde die irrige Annahme, hier in Oberfranken zu gastieren, am Sonntag von Bernd Ulrich zum Dauerbrenner gemacht.

Als weiterer roter Faden zog sich ein Zwischenruf durch die Show. Auf die Frage, was denn die ach so liebe Ehefrau ihrem Mann am liebsten sagen würde - erwartet wurde der Titel des Songs "Weißt du, was du für mich bist" - schrie nämlich einer von hinten: "Geh arbeiten!" Was Bernd Ulrich so lustig fand, dass er davon gar nicht mehr loslassen konnte. Er selbst braucht längst nicht mehr zu arbeiten. Seit 1970 firmiert das Duo unter seinem Namen. Früher gab's noch weitere Bandmitglieder. Es gab Höhen und Tiefen, viele Rückschläge. 2006 gewannen sie dann "Achims Hitparade". Von da ging's nur noch bergauf. Sie holten sich den "Echo", setzten sich mehrmals die "Krone der Volksmusik" auf.

Die Schlager kamen cremig leicht daher. Die Texte waren gefällig. Es ging um Liebe, Treue und Urlaubsromantik. Dazu spielte die Technik im Hintergrund Landschaftsmotive vom letzten Kroatienaufenthalt ein. Dann sang das Duo vierstimmig mit sich selbst. "Im Herzen jung" stimmten sie an. Bernd Ulrich brachte den Grund des Erfolges auf den Punkt: "Wir legen Wert darauf, dass die Menschen unsere Lieder, unsere Texte verstehen." Nach drei Zugaben gaben sie sich volksnah. Sie signierten im Foyer Fanartikel und ließen sich mit den Besuchern fotografieren.
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