Sandra, kümmere dich um sie

Bei ihr geht es um Ärger im Elternhaus, um null Bock auf Schule oder um Stress im Ausbildungsbetrieb: "Ich versuche, in der Beratung immer eine Wohlfühlatmosphäre herzustellen", sagt Sandra Schlegl, Jugendsozialarbeiterin an der Europa-Berufsschule in Weiden. Bild: sbü

3500 Schüler gibt es - einschließlich der Sprachenschule - an der Europa-Berufsschule. Die meisten sind zwischen 17 und 21 Jahre alt. Dass diese jungen Leute auch Probleme aus ihrem Betrieb, dem Elternhaus oder aus der Beziehung mit an die Schule bringen, versteht sich von selbst. Wer hier helfen kann, wird rasch unentbehrlich.

(sbü) Formal gesehen ist die Jugendsozialarbeiterin Sandra Schlegl Mitarbeiterin des Jugendamts Weiden. In der Realität ist sie aus der Berufsschule nicht mehr wegzudenken. Deshalb hat sie auch ihr Büro direkt gegenüber Sekretariat und Schulleitung. Das spricht für ihre herausgehobene Stellung an der Schule.

Für "unverzichtbar" hält auch Direktor Josef Weilhammer seine Jugendsozialarbeiterin. Das ganze Lehrerkollegium denke genauso. "Als ich vor sechs Jahren hier angefangen habe, musste ich zunächst manche Ängste und Vorurteile gegen meine Arbeit abbauen", berichtet Sandra Schlegl. Doch "längst gehöre ich zum System an der Schule und werde sehr wertgeschätzt."

Es ist ein ganz normaler Schultag. Sandra Schlegl kümmert sich um "vier terminierte Fälle". Zudem muss sie zwei sogenannte Erstgespräche führen. So bezeichnet die Jugendsozialarbeiterin Beratungsgespräche mit Jugendlichen, bei denen oftmals Lehrer zu ihr kommen und erklären: "Sandra, da weint ein Mädchen dauernd, kannst du dich um sie kümmern?". Die Lehrer sehen, "wem geht es schlecht, wer schläft ständig ein oder wer hat häufige Fehlzeiten oder kommt nicht mehr zur Schule", weiß Schlegl. Häufig habe sie es mit sogenannten Schulverweigerern zu tun. Hier müsse sie zunächst "Kontakte zu Hause knüpfen und versuchen, sie zu mir einzuladen".

Hilferuf oft per Mail

Wenn nötig, trifft sie sich aber auch außerhalb der Schule mit ihren "Klienten". Jeden Tag hat Schlegl eine feste Sprechstunde. "Doch viele wenden sich auch per Mail oder Handy an mich, manchmal auch anonym."

Lang ist die Liste der Problembereiche ihrer Klienten. Schwangerschaften, Alkohol, Schulmobbing, Konflikte im Ausbildungsbetrieb und Ausbildungsabbrüche, Angstpsychosen sowie eine generelle Überforderungssituation beim Übergang von der Schule in das Erwerbsleben zählt sie dazu. "Ich habe mehr Schulverweigerer als Drogenfälle", verrät die Diplom-Pädagogin. "Mein Job ist es, den jungen Leuten Stütze zu geben" beschreibt sie ihre Arbeit. Sie bezeichnet diese auch als "niederschwelliges Angebot ohne Zwang".

Ein Angebot, das der Schweigepflicht unterliegt. "Das ist sehr wichtig, um Vertrauen herzustellen." Im Arbeitsalltag zeige Schlegl Alternativen auf: "Die Entscheidung müssen die Jugendlichen selbst treffen." Diese Methoden bezeichnet die Sozialpädagogin als "schrittweise Falldiagnostik". Dass sie auch ein Netzwerk zu Beratungs-und Hilfsdiensten wie der Suchtberatung oder Schwangerschaftsberatung, Bewährungshilfe und Berufsberatung unterhalten muss, sei selbstverständlich.

Asylbewerberklassen zählt sie nicht zu ihrem Klientel. Schlegl bedauert auch lange Wartezeiten, wenn Therapeuten benötigt würden. Manchmal könne auch die Schulpsychologin in Regensburg eingeschaltet werden. Eine exakte Statistik führt sie nicht. "Ich zähle nur die Fälle, in denen ich über einen längeren Zeitraum die Jugendlichen begleite", sagt sie: "Dies sind über 100 im Jahr." Jungen und Mädchen kommen fast gleichermaßen. "Aber Mädchen öffnen sich mir gegenüber rascher." Insgesamt sind im Stadtgebiet Weiden vier Jugendsozialarbeiter im Einsatz.
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