Schaffner bringt Blutkonserve

Wie war das eigentlich vor 20, 30, 40 Jahren in der Kinderklinik? Darüber berichteten als ehemalige, langgediente Mitarbeiter (vorne, von rechts) Geschäftsführender Direktor a. D. Hans Kaltenecker, Oberarzt a. D. Dr. Harry Nomayo, Chefarzt a. D. Dr. Ehrenfried Lachmann und die Kinderkrankenschwester a. D. Jutta Harbig. Sie halten noch immer Kontakt zur Kinderklinik und saßen für einen Pressetermin mit Chefarzt Dr. Fritz Schneble in einem Boot. Stehend: Kliniken-Vorstand Josef Götz. Bild: Hartl

Ein Beatmungsgerät Marke Eigenbau, Eltern müssen draußen bleiben, Blutkonserven, die dem Schaffner in Regensburg in die Hand gedrückt und in Weiden abgeholt werden. So war das früher. Heute ist die Weidener Kinderklinik hochmodern ausgestattet - und sie feiert 50-jähriges Bestehen.

Weiden. (ps) Aus dem Nähkästchen plauderten vier langgediente Ehemalige auf Einladung von Chefarzt Dr. Fritz Schneble. Er bezeichnete die Einweihung der Kinderklinik im August 1965 als "Meilenstein für die Region". Damit sei nicht nur die kinder- und jugendmedizinische Versorgung in der Region fest verankert und verbessert worden. Auch ein Großteil der hiesigen Kinderärzte habe seine Ausbildung an dieser Klinik absolviert und trage nun zur guten Versorgung in der Nordoberpfalz bei.

Bis zu 35 Kinder mussten die 6 Schwestern und 1 Kinderpflegerin auf der Frühgeburten- und Neugeborenenstation in den 70er Jahren versorgen, berichtete die pensionierte Kinderkrankenschwester Jutta Harbig. "Wir waren dankbar, wenn die jungen Ärzte uns beim Füttern geholfen haben." Die Eltern hatten keinen Zutritt, konnten ihr Kind allenfalls mal durch die Glasscheibe sehen. Und das, obwohl die Verweildauer im Schnitt 23 Tage betrug. Eine Zahl, der Kliniken-Vorstand Josef Götz angesichts der aktuellen Finanzlage nachtrauert, wie er schmunzelnd verriet. Heute sind es durchschnittlich 4 Tage.

Medizinisch viel bewegt

Der typische Bau aus den 60er Jahren war den schnell steigenden Anforderungen bald nicht mehr gewachsen. Dr. Ehrenfried Lachmann (Chefarzt von 1981 bis 2006) erinnerte daran, dass ein ehemaliger Durchgangsraum zu einem Intensivzimmer umgebaut worden sei. "Wir haben erstaunliche Erfolge erzielt in diesen provisorischen Verhältnissen. Unsere Ergebnisse bei den Frühgeborenen waren immer sehr gut: Wir lagen gleichauf mit Regensburg, Landshut und Rosenheim."

Zu den "Provisorien" zählte auch ein Beatmungsgerät, um den Druck in den Lungen der Frühgeborenen konstant zu halten. "Das haben wir damals selbst zusammengebastelt. Vieles war noch gar nicht auf dem Markt. Später wurde das Gerät von einer Firma nachgebaut."

Weiden hatte beim Start mit Ultraschalluntersuchungen die Nase vorn. "Wir haben auch Echokardiographie noch vor Regensburg gemacht", sagte Lachmann. Medizinisch habe das Team der Kinderklinik eine Menge bewegt. Richtig "toll" fand er die letzten sieben Jahre seiner Amtszeit. Denn der 1998 eingeweihte Neubau war mit modernstem medizinischem Gerät ausgestattet.

Möglich wurde dies durch einen raffinierten Schachzug des Geschäftsführenden Direktors a. D. Hans Kaltenecker. Nachdem die Eltern Ende der 70er Jahre "mit den Füßen abgestimmt" hatten und auf Campingbetten und Isomatten bei ihren schwerkranken Kindern campierten, seien die Verhältnisse in dem 60er-Jahre-Bau "unerträglich" geworden. Deshalb habe er einen Mitarbeiter des Ministeriums überzeugt, sich die Verhältnisse vor Ort anzuschauen. "Daraufhin wurde der Entwicklungsplan für das Klinikum umgeschrieben und ein Neubau für die Kinderklinik eingeplant."

An die logistische Meisterleistung, die in den 70er Jahren nötig war, um einen Blutaustausch durchzuführen, erinnerte Oberarzt a. D. Dr. Harry Nomayo. Er hält mit 37 Dienstjahren an der Weidener Kinderklinik den Rekord unter den Ärzten. "Die Blutprobe wurde - wenn es schnell gehen musste - mit dem Taxi nach Regensburg geschickt. Dort drückte man dann das Paket mit der Blutkonserve dem Schaffner eines Zuges in die Hand, und von uns hat sie jemand am Bahnhof abgeholt."

Heute hochmodern

Das alles ist Geschichte. Die Entwicklung geht ständig weiter. Heute bietet die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Weiden mit Perinatalzentrum und angegliedertem Sozialpädiatrischen Zentrum - wie Kliniken-Vorstand Josef Götz betont - "Versorgung auf höchstem Niveau". Davon können sich die Bürger bei einem Tag der offenen Tür überzeugen, an dem auch das Jubiläum groß gefeiert wird. (siehe Artikel "Kinderfest")
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