Scharf auf einen Pieks

Katharina Gorka, Mutter des an Blutkrebs erkrankten Robin, freut sich über jeden, der zur Typisierungsaktion kommt. Gerade nimmt Susanne Grosser, Arzthelferin aus Schwandorf, Bettina Zimmet aus Trausnitz einen halben Teelöffel voll Blut ab. Bild: mte

Von der jungen Mutter über den muskelbepackten Macho bis hin zur gepflegten Bürokauffrau: Um Robin (6) vor dem Blutkrebs zu retten, machten sich am Sonntag Tausende auf zur Typisierungsaktion in die Realschulturnhalle. Ob der genetische Zwilling darunter war, muss sich erst zeigen.

Der Blick bleibt hängen an dem Mann mit gebräunter Haut und gestählten Oberarmen. Beides kommt im hellen Achsel-Shirt bestens zur Geltung. Lässig nimmt er auf dem Stuhl in der Realschulturnhalle Platz und reicht der Arzthelferin das Röhrchen für fünf Milliliter seines Bluts. Während des Pieks presst er kurz die Lippen aufeinander und schließlich den Tupfer auf die Einstichstelle der Armbeuge. "Schon fertig?", fragt er verblüfft. Und ob. Helfen geht am Sonntag ruckzuck.

Meist müssen die Menschen nur fünf Minuten mitbringen, um sich typisieren zu lassen. Datenerfassung, Zwischenkontrolle, Blutentnahme, Endkontrolle und Abgabe - fertig. "Danke, dass Sie hier waren. Einen schönen Sonntag ", ruft einer der 160 Helfer jedem am Ausgang zu.

Draußen gibt es ab Aktionsbeginn um 11 Uhr kein Durchkommen mehr in der Kurt-Schumacher-Allee. Stoßstange an Stoßstange schiebt sich ein Blech-Konvoi zur Realschulturnhalle, vor der Country-Musiker Franz Lippert aus Regensburg ein Gratiskonzert spielt. Drinnen geht es zu wie auf dem Rummel. Der Andrang ist enorm. "Ich bin beeindruckt von dieser Welle der Hilfsbereitschaft", sagt Katharina Gorka, die Mutter von Robin. Thomas, Papa des Sechsjährigen, hilft bei der Datenerfassung. Seby, der Patenonkel, bei der Endkontrolle. Robin selbst ist daheim bei den Großeltern. "Es geht ihm soweit gut. Die Chemo ist das Problem. Am Mittwoch geht's wieder los", erzählt die Mutter im Realschul-Rummel.

2622 wollen helfen

Bewältigt werden kann der nur dank der professionellen Organisation von den Wasserballern des Schwimmvereins in Zusammenarbeit mit der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS). "Das läuft fix, alle scheinen zufrieden", bestätigt der Urologe Dr. Herbert Heining, als er in die nächste Vene sticht.

Von der jungen Mutter über den muskelbepackten Macho bis hin zur gepflegten Bürokauffrau: Um Robin (6) vor dem Blutkrebs zu retten, machten sich am Sonntag Tausende auf zur Typisierungsaktion in die Realschulturnhalle. Ob der genetische Zwilling darunter war, muss sich erst zeigen. Bilder von Reiner Kreuzer und Simone Baumgärtner


Vor der Blutentnahme aber muss jeder bei einem der 60 Helfer der Datenerfassung vorbeischauen, einer der Koordinationsposten erklärt das Prozedere nach einem freundlichen Hallo gleich am Eingang. Er verweist etwa auf Datenerfasserin Sarah Geitner, die gerade eine grüne Karte mit "Frei" hochhält. Die 18-Jährige von der Wasserwacht Weiherhammer engagiert sich hier, "weil's Spaß macht. Und Typisieren lasse ich mich auch noch". Denn das sei ja nur ein Pieks, erklärt sie.

Ein Pieks, den Josefine Ermer bereits vor 20 Jahren nicht scheute: "Ich war eine der ersten Typisierten", sagt die Arzthelferin. Am Sonntag ist die Klinikumsmitarbeiterin eine von 30 Fachkräften, die Blut abnehmen. Auch bei den Aktionen in Vohenstrauß und Weiherhammer half sie. "Und bei der nächsten und übernächsten bin ich wieder dabei. Weil ich weiß, es bedeutet Glück pur, gesunde Kinder und Enkel zu haben."

So ähnlich haben wohl auch die 2622 Menschen gedacht, die sich bei der aktuellen Aktion insgesamt haben typisieren lassen. "Das ist ein super Ergebnis. Damit haben wir die in Aktionen in Vohenstrauß und Weiherhammer getoppt", freut sich Organisator Irek Luczak, Abteilungsleiter Wasserball. Zudem kamen Spenden in Höhe von 21 000 Euro zusammen - auch der vielen Hundert Kuchen, die Bürger für den Verkauf gespendet haben. Ob sich das alles am Ende für Robin oder einen anderen an Blutkrebs Erkrankten auszahlen wird, muss die Zeit zeigen.
Weitere Beiträge zu den Themen: Juni 2015 (7772)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.