",Scheidung light' gibt es nicht"

"Hoffnungsschimmer" selbst im Falle der Scheidung wollen Cornelia Schäfer (links) und Dr. Christiane Bardenheuer vermitteln. Bild: sbü

Wenn sich Paare trennen, sind viele rechtliche Fragen zu klären. Meistens überlagern jedoch die psychischen Probleme der Partner das gesamte Geschehen. Mit einem ganzheitlichen Ansatz wollen erfahrene Expertinnen helfen.

(sbü) Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutz des Gesetzgebers. Wenn diese Gemeinschaft aufgelöst wird, kommt es oftmals zur Zerrüttung der materiellen und psychischen Lebensgrundlage der Partner und der betroffenen Kinder. Unterhalt, Sorgerecht, Umgangsrecht und Vermögensansprüchen sind zu klären. Doch diese Themen werden häufig überlagert von der emotionalen Betroffenheit der Beteiligten.

Dies als Gesamtkomplex zu betrachten und akzeptable Lösungen für die Zukunft zu entwickeln, das haben sich die Anwältin Dr. Christiane Bardenheuer und die Psychologische Heilpraktikerin, Mediatorin und Paartherapeutin Cornelia Schäfer als Aufgabe gestellt. In dem von ihnen gegründeten "Beratungsnetzwerk Hoffnungsschimmer" versuchen sie, ganzheitliche Lösungen zu entwickeln. Rechtsfragen sind dabei nur ein Aspekt.

Nicht gleich klagen

Im Vortrag zum Thema "(Ent-)Scheidung für die Zukunft - Was wird aus uns und unseren Kindern" zeigten Dr. Bardenheuer und Schäfer ihre Problemlösungsstrategien auf. Als Anwältin empfiehlt Dr. Bardenheuer: "Nicht gleich Klage einreichen." Im ersten Jahr der Trennung sollte man versuchen, für alle Betroffenen eine Existenzgrundlage zu finden. "Sorgerechtsverfahren nehmen leider immer mehr zu", bedauert Dr. Bardenheuer.

Aus ihrer Erfahrung berichtet sie auch: "Kinder leiden oft besonders." Es gebe kein festes gesellschaftliches Auffangnetz dafür. Schließlich werde von Frauen im Regelfall ab dem dritten Lebensjahr des Kindes verlangt, mindestens stundenweise erwerbstätig zu sein. "Das Gerichtsurteil, in dem Dritte ausschließlich aufgrund von Rechtsvorschriften über einen Menschen bestimmen, sollte nur die allerletzte Möglichkeit sein", sagt Dr. Bardenheuer.

Rechtlich habe der Gesetzgeber für fast alle Themen eine Lösung vorgesehen, zum Beispiel die Düsseldorfer Tabelle für Unterhaltsansprüche der Kinder oder für das altersabhängige Umgangsrecht jedes Elternteils. Um aber die psychischen Auswirkungen bei allen Beteiligten aufzufangen oder zu begrenzen, könnten zum Beispiel Mediatoren, Therapeuten oder Erziehungsberatung hinzugezogen werden. "Lösungen sollten gemeinsam erarbeitet werden", empfiehlt deshalb Cornelia Schäfer. Auch wenn "rational" das Verhalten eines Partners oft nicht zu begreifen sei, könne "die Schuldfrage fast nie gelöst" werden, betont die Expertin.

Mediator einschalten

Trennungen lösen meist Lebenskrisen, existenzielle Fragen und Ängste aus. Helfen könnten individuelles Coaching, Einzel- oder Paarberatung oder "außerjuristische Mediation", möglichst vor den zwingend anstehenden juristischen Entscheidungen. ",Scheidung light' gibt es nicht", fügt Dr. Bardenheuer hinzu.

Zahlreiche konkrete Verhaltensempfehlungen gibt Schäfer ihrem Publikum noch mit. Zum Beispiel: "Tragen sie keine Konflikte über die Kinder aus" und "verbieten Sie nicht den Kindern, beim Partner über Sie zu sprechen". Auch "reden Sie nicht vor den Kindern über den Ex-Partner schlecht". Generell seien Kinder keine geeigneten Gesprächspartner zur Aufarbeitung eigener Gefühle über die Scheidung.
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