Schlägerei bei Stadtbad: Verurteilung bringt 19-Jährigen zur Besinnung - Richter lässt "Gnade ...
Bisher immer zu sanft bestraft

Die Frage, "Bewährung oder nicht?" stand im Mittelpunkt einer Verhandlung vor der 3. Jugendkammer. In erster Instanz war ein 19-Jähriger wegen gefährlicher Körperverletzung vom Jugendschöffengericht zu 21 Monaten ohne Bewährung verurteilt worden.

Im April vergangenen Jahres war ein 22-Jähriger in der Nähe des Stadtbads auf eine Gruppe Bekannter getroffen, mit denen er einige Zeit zuvor verbal aneinander geraten war. Ohne Vorwarnung trat einer aus der Gruppe dem Weidener von hinten in die Beine. Dies nutzte der 19-Jährige aus, um dem taumelnden 22-Jährigen mit einem kräftigen Faustschlag ins Gesicht zu Boden zu strecken. Der brutale Schlag war so heftig, dass der Mann ins Krankenhaus eingeliefert werden und schwerste Gesichtsknochenbrüche später im Uniklinikum Regensburg mit einer Metallplatte versorgt werden mussten. Gegen die Verurteilung durch Jugendrichter Otmar Schmid hatte die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt. Gruppenleiter Peter Frischholz wollte zwei Jahre verhängt sehen. Der Verurteilte legte mit Hilfe seiner Verteidigerin Dr. Christiane Bardenheuer ebenfalls Berufung ein, mit dem Ziel "Bewährung" zu bekommen.

Sechs Mal vorbestraft

Schwer wog, dass der junge Mann wegen jugendtypischer Delikte, wie Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung oder Hantierens mit explosionsgefährlichen Stoffen, schon sechs Mal vorbestraft war. Ganz besonders kreidete ihm Staatsanwalt Frischholz an, dass sich die Tat acht Tage nach einer Verurteilung wegen einer gleichartigen Tat ereignet hatte. Damals verurteilten die Richter den 19-Jährigen wieder einmal zu Arbeitsstunden und einem Anti-Aggressionstraining.

Aufschlussreich war, was der Berufslose als Grund für seine ständige Straffälligkeit anführte. Er sei bisher "immer zu sanft bestraft worden". "Sozialstunden, Arbeitsauflagen, Suchtberatung, Anti-Aggressionstraining bringen nichts", sagte er. Damit ließe sich niemand beeindrucken. Die Verurteilung im Oktober zu 21 Monaten "ohne" dagegen habe ihn geschockt. Er habe seinen Freundeskreis aufgegeben und sich freiwillig in eine Jugendhilfeeinrichtung weit weg von Weiden begeben.

Rechtsanwalt Tobias Konze berichtete, dass das Opfer, trotz der erlittenen Schmerzen und der langen Behandlungsdauer, keinen großen Wert auf eine drakonische Bestrafung des 19-Jährigen lege. Wichtiger wäre seinem Mandanten, ein angemessenes Schmerzensgeld - beziehungsweise Schadensersatz - zu bekommen.

Rechtsanwältin Dr. Bardenheuer wies darauf hin, dass in der Jugendgesetzgebung der Erziehungsgedanke im Vordergrund stehe und bat "Gnade walten" zu lassen. Nach fast einstündiger Beratung verkündete Vorsitzender Richter Reinhold Ströhle, dass dem stattgegeben wurde. Zusammen mit Richter Peter Werner und den Schöffen sei er zu der Erkenntnis gelangt, dass der Angeklagte durch den Schock der Verurteilung zur Besinnung gekommen sei. Die 21 Monate wurden auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Damit er doch einmal "gesiebte Luft" schnuppert, wurden dem Verurteilten zwei Wochen Dauerarrest aufgebrummt. Zudem muss er für mindestens ein Jahr in der Jugendhilfeeinrichtung bleiben und dem Geschädigten 2500 Euro Schmerzensgeld zahlen.
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