Schlägerei unter Frauen vor Gericht: Kein klares Bild der Tat - Bewährung und Geldstrafe für ...
High Heels als Waffe

Gegen fünf Uhr morgens ging es vor zwei Jahren vor einer Discothek im Süden Weidens hoch her. Eine mittlerweile schon zu neun Monaten auf Bewährung Verurteilte, ein amerikanischer Soldat und seine damals 21-jährige Freundin vermöbelten eine 27-Jährige. Sie schlugen und traten auf die junge Frau ein, selbst als sie schon am Boden lag. Die Verkäuferin erlitt Schädelprellungen, Schürf-, Platz- und Kratzwunden, Hämatome am ganzen Körper sowie einen psychischen Schock.

Nun stand die mittlerweile 23-Jährige vor Strafrichter Roland Güll. Staatsanwältin Susanne Pamler warf ihr gefährliche Körperverletzung vor. Die lange Dauer, bis es zur Verhandlung kam, rührt daher, weil sich die Bambergerin längere Zeit im Ausland aufgehalten hatte.

Plötzlich alle am Boden

Anfangs wollte die Angeklagte ihren Kopf aus der Schlinge ziehen, indem sie behauptete, es sei ein "gegenseitiges Schubsen gewesen", nachdem sie selbst beleidigt worden sei. "Was guckst du, bitch?", habe die später Verletzte gefragt. Bei der Schubserei sei die Kontrahentin dann zu Boden gegangen und habe sie mitgerissen. Sodann habe die Grafenwöhrerin sie mit ihren High Heels geschlagen. Später sei sie von Türstehern wegen ihrer Hautfarbe beleidigt worden.

Die Vernehmung der Geschädigten und zweier Zeuginnen erbrachte kein klares Bild von den damaligen Geschehnissen. Einzig, dass die Angeklagte, ihr damaliger Freund und die bereits Verurteilte zu dritt auf die am Boden Liegende eingetreten hatten, darin stimmten alle überein. Schließlich überzeugte Rechtsanwalt Maximilian Glabasnia seine Mandantin, dass sie mit einem Geständnis besser davonkäme, was diese auch einsah. Nachdem der Strafrahmen für gefährliche Körperverletzung eine Ahndung von sechs Monaten bis zu zehn Jahren vorsieht, war Staatsanwältin Pamlers Antrag recht maßvoll.

Weil die Geschiedene nicht die Haupttäterin gewesen war und nur zwei geringfügige Jugenddelikte auf dem Kerbholz hatte, plädierte Pamler auf acht Monate zur Bewährung. Richter Güll blieb sogar noch zwei Monate darunter. Als Bewährungsauflage muss sie 600 Euro in die Staatskasse einzahlen.
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