Schlechter Rat ist teuer

Die ersten Urteile sind gefallen. Ein Anlageberater aus dem Landkreis Tirschenreuth hatte seinen Kunden eine "bombensichere" Goldanlage aufgeschwatzt. Dahinter standen Betrüger. Das Geld ist futsch. In zwei Fällen muss der Finanzmakler den Schaden jetzt erstatten.

(ca) Im ersten Urteil handelt es sich um einen Anleger, der von Anwalt Dr. Markus Sanner vertreten wird. Ihm muss der Berater 11 800 Euro zurückzahlen. Der Kunde hatte seine Lebensversicherung gekündigt. Sanner hatte eine "massiv falsche Beratung" moniert. Die Anlage sei als absolut sicher dargestellt worden.

Auch im zweiten Fall hatte ein Ehepaar aus dem Landkreis Tirschenreuth die Altersvorsorge geopfert, um in das angebliche Gold zu investieren. Dem Paar steht Anwalt Dr. Lutz Rittmann zur Seite. Der Finanzmakler hatte persönlich die Kündigungsschreiben für drei Lebensversicherungen aufgesetzt. Die Eheleute überwiesen 31 000 Euro an die Berliner "BWF-Stiftung" zum Ankauf von Gold. Nach Ablauf von 2 bis 8 Jahren wurde der Rückkauf zu 110 bis 180 Prozent der Kaufsumme "garantiert". Daraus wurde nichts. Im Juni ist für die Stiftung das Insolvenzverfahren eröffnet worden. Es gab Festnahmen.

Im ersten Fall entschied die 1. Zivilkammer mit Richter Peter Werner, im zweiten Verfahren mit Richter Viktor Mihl. Die Juristen kamen unabhängig voneinander zum gleichen Schluss: Die Kunden seien nicht anlegergerecht beraten worden. "Unstreitig hatten sie keinerlei Kapitalanlageerfahrung", so Mihl. Sie hatten sich fürs Alter absichern wollen. Was passierte hingegen? Der Finanzberater empfahl den Goldkauf, der auf "reiner Spekulation" basierte.

Die eigene Unwissenheit schützt den freien Versicherungsmakler nicht. Er führte über seine Anwältin an, dass er das Geschäftsmodell für sicher hielt. So habe er Schulungen der BWF-Stiftung besucht, bei der diese einen Anwalt und einen "Stiftungsexperten" auffuhr, um Vertriebler zu gewinnen. Richter Werner: "Schon der gesunde Menschenverstand" hätte ihm sagen müssen, dass es nicht - und schon gar nicht sicher - möglich ist, mit einer Goldanlage im Jahr 8 Prozent zu erwirtschaften. Mihl merkt an, dass die Stiftung gar keine Stiftung, sondern ein "e. V." war. "Es fällt leicht auf, dass eingetragene Vereine in der Regel keine Dienstleistungen erbringen."

Etliche Betroffene

Außer dem "Finanzdienstleister" aus dem Landkreis Tirschenreuth, hat ein weiterer Berater aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach die Anlage in der Region verkauft. Die Urteile waren daher von Geschädigten in der ganzen Oberpfalz mit Spannung erwartet worden, etliche weitere denken über Klagen nach. Anwalt Rittmann warnt vor zu großen Erwartungen: "Dieses Urteil betrifft den ganz konkreten Fall dieses Ehepaars, das keinerlei Anlageerfahrung hatte und dem es unstreitig um Alterssicherung ging." Wenn einer in die gleiche Goldbarren-Anlage investiert, aber in solchen Dingen firm sei und auf zusätzliche Gewinne spekulierte, "kann das auch anders ausgehen". Berufung zum Oberlandesgericht ist möglich. "Aber davor ist mir bei diesem eindeutigen Urteil nicht bange."

Die eigene Blauäugigkeit kommt dem Beklagten richtig teuer. Werden die Urteile rechtskräftig, müsste er allein diesen beiden Parteien 43 000 Euro plus 2200 Euro außergerichtliche Anwaltskosten plus Prozesskosten zahlen. Seine Anwältin hatte in der Verhandlung darauf hingewiesen, dass keine Versicherung einspringe und dies für ihren Mandanten den Ruin bedeuten könnte.
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