"Schleuser-Prozess": 22. Prozesstag im Verfahren gegen fünf Tschetschenen
Tauziehen um Telefon-Mitschnitte

(ca) 22. Verhandlungstag im zweiten großen Prozess am Landgericht Weiden am Montag. Fünf Angeklagte müssen sich des Vorwurfs der Schleusung von 175 Tschetschenen, darunter fast 100 Kinder, verantworten. Die Männer schweigen zu den Vorwürfen. Die Zeugen schweigen, weil sie sich nicht selbst belasten müssen - auch am Montag. Das entscheidende Beweismittel bleibt die Telefonüberwachung. Und um das Verlesen dieser 400 bis 600 Wortprotokolle wird gekämpft. Verteidiger und Gericht lieferten sich erneut juristische Scharmützel.

Ursprünglich sollten die mitgeschnittenen Telefonate "live" vorgespielt und übersetzt werden. Dann warf die Dolmetscherin das Handtuch, weil sie sich gefährdet fühlte. Tschetschenisch-Übersetzer wachsen nicht auf Bäumen. Solche, die sich nicht fürchten, erst recht nicht. Es ist dem Gericht zwar gelungen, Ersatz-Übersetzer zu finden. Aber nur geschützt. Diese haben in den letzten Wochen die Telefonate im "stillen Kämmerlein" bei der Bundespolizei München ins Deutsche transferiert.

Samt Fehlern rüberkopiert

Sie waren schnell - und so lagen am Montag den zwölf Verteidigern in Kopie 50 Seiten der ersten "Tranche" vor. Nach Ansicht von Verteidiger Raphael Brugger gingen die neuen Übersetzer eventuell etwas zu flott vor: Er erkannte "copy and paste" von ganzen Passagen aus der polizeilichen Erstübersetzung. "Mit den gleichen Rechtschreibfehlern." Das würde der Anordnung des Gerichts entgegenstehen, das eine neue Zweitübersetzung angeordnet hatte.

Die Kammer unter Vorsitz von Landgerichtspräsident Walter Leupold reagierte umgehend. Sollte dies zutreffen, soll die Staatsanwaltschaft neue Dolmetscher einsetzen, denen kein Einblick in die alten Akten gewährt wird. Die mitgeschnittenen Telefonate, die ab Donnerstag verlesen werden sollen, klingen wie Absprachen einer Mitfahrzentrale. Da heißt es zum Beispiel: "Wie werden Sie zahlen?" "Ungefähr für zehn Scheine kann ich die Angelegenheit regeln." "Ich will nicht, dass irgendeiner fährt." "Ja, ich habe ihn abgeholt."
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