Schmalnohe älteste germanische Ortsbezeichnung im Sulzbacher Raum
In drei Wochen 800 Jahre älter

Mathias Hensch zeigte viele Funde, die auf eine sehr frühe Besiedlung von Schmalnohe hinweisen. Bild: ct

Das soll dem Ort erst mal einer nachmachen: Neue archäologische Funde belegen, dass Schmalnohe schon lange vor seiner ersten Erwähnung 1123 existierte. Dr. Silvia Codreanu-Windauer formulierte es so: "In drei Wochen ist der Ort wohl 800 Jahre älter geworden."

Da die Kirchenverwaltung der Pfarrgemeinde Schlicht die Sanierung der Filialkirche St. Otto in Schmalnohe in Angriff nehmen wollte, hatte es bereits im Herbst 2014 archäologische Voruntersuchungen gegeben, bei denen im Umfeld der Kirche unter anderem gut erhaltene mittelalterliche Gräber (zum Teil mit Münzbeigaben) freigelegt wurden. Ferner ergaben die Grabungen deutliche Hinweise, dass vor dem Eingang der Kirche einst eine herrschaftliche Curtis (mittelalterlicher Herrenhof) stand.

Nach der Winterpause setzte der Archäologe Dr. Mathias Hensch, ein Kenner der Siedlungsgeschichte des Raumes, die Untersuchung dieses Herrenhofs fort. Das betraf etwa die gut erhaltenen Reste eines großen hochmittelalterlichen Steingebäudes westlich der Kirche. Fragen nach Alter, Funktion und Konzeption dieses Gebäudes stehen im Vordergrund der Grabungen. Darüber hinaus werden Hinweise zur Nutzung des Areals im Zentrum des Adelshofes erwartet.

Nur ein Zwischenbericht

Die Öffentlichkeit informierte Hensch jetzt mit einem "Zwischenbericht". Neben den Bauherrn Pfarrer Johannes Kiefmann und Kirchenpfleger Hermann Klier aus Schlicht sowie Bürgermeister Hans-Jürgen Strehl aus Edelsfeld und Grundstückseigentümer Hans Jörg Radandt war dazu auch Hauptkonservatorin Dr. Silvia Codreanu-Windauer vom Landesamt für Denkmalpflege nach Schmalnohe gekommen.

Codreanu-Windauer betonte die herausragende Bedeutung der bodennahen Funde für die Aufhellung der Herrschaftsgeschichte des gesamten Sulzbacher Raums. Deshalb sei das Areal auch als Bodendenkmal eingetragen, das nun in Ausschnitten untersucht und dokumentiert werde. Die Ergebnisse sollen darüber hinaus durch Schautafeln und in digitaler Form der Öffentlichkeit vor Ort zugänglich gemacht werden. Aufgrund der Funde lasse sich bereits sagen, dass Schmalnohe deutlich älter sei, als es bisher die erste urkundliche Erwähnung im Jahr 1123 nahelegte.

Ein germanischer Name

Mathias Hensch erläuterte die historische Bedeutung der bisherigen Erkenntnisse. Schmalnohe gehöre dem Ortsnamen mit dem germanischen Grundwort "-aha" (Bach) nach zu urteilen zu den ältesten germanischen Ortsbezeichnungen des Sulzbacher Raums. Der Name bedeute "Siedlung an der schmalen Ache" und weise auf eine Entstehung vor dem 8. Jahrhundert n. Chr. hin.

Der Ort selbst werde als "Smalnaha" erstmalig 1123 erwähnt; schon damals wird auch eine Kirche genannt, als Otto von Schmalnohe, einer der bedeutendsten Ministerialen der mächtigen Grafen von Sulzbach, diese Kirche, einen befestigen Hof ("Curtis") und einen Wald an das Kloster Michelfeld schenkt.

Schmalnohe sei zu dieser Zeit offenbar einer der wichtigsten Verwaltungsmittelpunkte nördlich des Herrschaftszentrums Sulzbach gewesen und die Herren von Schmalnohe "Spitzengefolgsleute" der Grafen von Sulzbach, im 11. und 12. Jahrhundert eine der mächtigsten Adelsfamilien im Reich. Die freigelegten Reste der herrschaftlichen Curtis dieser Grafen ließen die außerordentliche Stellung des Ortes und seiner Kirche im hochmittelalterlichen Herrschaftsgefüge nördlich des Burgzentrums Sulzbach eindrucksvoll erkennen.

Direkt westlich der Kirche habe wohl vom 11. bis ins frühe 13. Jahrhundert ein eindrucksvoller, in seinen Mauerstrukturen offenbar gut erhaltener herrschaftlicher Saalbau mit einer prächtigen Schaufassade von etwa 15 Metern Länge und 7 Metern Breite und wahrscheinlich zwei Obergeschossen gestanden. Das Mauerwerk, gefundene Ziegelreste und die Anordnung der Anlage ließen auf eine hochwertige Bautechnik und damit auf Reichtum und Macht der Erbauer schließen.

Flöte aus Schafsknochen

Neben diesem Steingebäude konnten die Archäologen nachweisen, dass die bestehende Kirche St. Otto (ehemals St. Martin) in ihrem erhaltenen Kern mindestens in das 11., vielleicht sogar das 10. Jahrhundert zu datieren ist und somit zu den ältesten erhaltenen Kirchenbauten nördlich von Regensburg gehört. Außerdem stellte Hensch viele Hinweise auf Holzgebäude fest, die bis ins 8./9. Jahrhundert zurückreichen könnten, sowie auf die mittelalterliche Verhüttung von Eisenerzen.

Das Fundmaterial, darunter eine mindestens 1000 Jahre alte Flöte aus Schafsknochen, sowie Bruchstücke von Keramikgefäßen und Haushaltsgeräten stammt aus dem Zeitraum vom 8. bis zum 13. Jahrhundert. Bisherige Radiokarbondaten (C14) belegen eine Besiedlung in Schmalnohe sogar bereits vom 5. bis zum frühen 8. Jahrhundert, was sich mit dem hohen Alter des Ortsnamens verbinden lässt. Weitere Radiokarbonuntersuchungen sollen noch genauere Datierungen zulassen.

Die archäologischen Spuren der Blütezeit Schmalnohes seien für die Region einmalig und auch von überragender Bedeutung für die Geschichte des mittelalterlichen Herrschaftsraums zwischen Regensburg und Bamberg, sagte Hensch. Die einstige Bedeutung Schmalnohes sei vor allem seiner Lage am Wasser und an der Kreuzung bedeutender Nord-Süd- sowie Ost-West-Verkehrswege und den in diesem Raum gefundenen und verarbeiteten hochwertigen Eisenerzen zu verdanken.
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