"Schmerz ist unser Freund"

Dr. Ute-Heide Kleppik. Bild: sbü

Woher kommen Schmerzen? Wie lassen sie sich behandeln? Alternative Antworten, die nicht jeder Mediziner so unterschreiben dürfte, gab Dr. Ute-Heide Kleppik im Seltmann-Haus.

(sbü) "Schmerzen sind kein rein körperliches Phänomen, sondern immer auch Ausdruck unserer Seele." So lautete eine der zentralen Feststellungen im Referat über Schmerzen und Schmerztherapien von Dr. Ute-Heide Kleppik im Maria-Seltmann-Haus. Ganz generell hielt die Allgemeinmedizinerin aus Parkstein, die sich zusätzlich auf "paramedizinischen Gebieten" ausgebildet hat, auch fest: "Die Einheit von Körper, Geist und Seele wird oftmals in den Hintergrund gedrängt."

Ursächlich dafür sei manchmal der Zeitdruck in der Schulmedizin, manchmal auch "die Aufteilung des Menschen in Fachgebiete". Wenn mit Tabletten oder Operationen der Schmerz nur verdrängt werde, komme er an anderer Stelle wieder. "Unser Gehirn macht keinen Unterschied, ob der Schmerzauslöser über den Körper oder über die Seele kommt", sagte Kleppik.

Dabei setzt die Referentin Seele und Psyche weitgehend gleich. Als Kronzeugen zitierte sie den Münchener Neurologen Professor Christian Franke, der fordere, "jeder Arzt soll zugleich Seelenarzt sein". Denn die Seele könne sich nur über den Körper äußern. Kleppik kritisiert auch: "Schulmedizin und medizinischer Fortschritt in der Pharmaindustrie verdrängen die Behandlung der Seele." Zur Überraschung mancher Zuhörer fügte sie an, "Schmerz ist unser Freund".

Ein Warnsignal

Denn: "Wir sollten den Schmerz als Warnsignal akzeptieren." Als Hinweis, dass etwas im Leben nicht stimmte. Die Seele spüre, wenn es Probleme im Beruf, der Partnerschaft oder im Umfeld gebe. Nervenbahnen, limbisches System und Hirnrinde seien im Körper bei der Schmerzempfindung beteiligt. Im Emotionsgedächtnis und in Schmerzgedächtniszellen seien Schmerzerlebnisse gespeichert ("Entzündung weg, aber Schmerz noch da"). So erklärten sich chronische Schmerzen oder auch der Umstand, dass Schmerzen von Menschen unterschiedlich wahrgenommen würden. Bei Stress und Angst sei die Schmerzempfindung deutlich erhöht. Weil Schmerzen objektiv nicht messbar sind, seien Schmerzdiagnosen schwierig. "Bestehen Sie beim Arztbesuch auf Ihren Schmerz", empfahl Kleppik. Denn der Therapeut müsse unbedingt glauben, was der Patient sage.

Zu Schmerztherapien sagte die Referentin ganz allgemein: "Viele Schmerzzustände können mit der schulmedizinischen Diagnostik weder geklärt noch behoben werden." Schmerzen seien ein "multifaktorelles komplexes Geschehen". Deshalb seien neben der Schulmedizin auch alternative Heilmethoden zu empfehlen. Kleppik erwähnte dabei Heilhypnose, bei der durch individuelle Zuwendung schmerzlindernde Hormone im Körper freigesetzt würden. Auch die Homöopathie oder Yoga, Qi-Gong, Chiatsu oder mentales Training und Atemtherapie.

Keine Materie

Längst seien die alternativen Heilmethoden auch von der Weltgesundheitsorganisation und der EU anerkannt. Das "geistige Heilen" beschrieb die Referentin als wirksam. "Wo keine Materie ist, kann ich nicht mit Tabletten heilen." Heiler würden mit Energieübertagung arbeiten. Patienten müssten sich aber selbstverantwortlich an der Schmerztherapie beteiligen. Von sich selbst sagte sie, "meine schamanische Ausbildung wird bis zum Ende meines Lebens laufen". Positiv sieht sie die Zukunft, wenn sie sagt: "Schulmedizin und alternative Medizin gehen ineinander über." Schließlich sei dies auch bis ins 19. Jahrhundert so gewesen.
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