Schnelle Hilfe für Süchtige

So ernst die Probleme auch sein mögen: Hilfestellung bieten die Beraterinnen der Caritas-Fachambulanz in lockerer Atmosphäre. Hinten von links: Kathrin Venzl, Katjenka Wild (sitzend) und Katharina Auer. Bild: Bühner
Lokales
Weiden in der Oberpfalz
07.03.2015
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Wer wegen Alkohol-, Drogen oder anderen Suchterkrankungen Hilfe suchte, musste bisher schon mal wochenlang auf einen Termin warten. Nicht selten sind Betroffene in dieser Zeit der Sucht noch weiter verfallen. Jetzt ist sofortige Hilfe möglich. Die Beraterinnen ermuntern: "Trau' dich!"

(sbü) "Bei der Suchtberatung anzurufen, ist für Betroffene meistens ein sehr großer Schritt. Schafft das jemand, sollte ihm oder ihr möglichst rasch Hilfe angeboten werden", sagt Sozialpädagogin und Suchttherapeutin Katjenka Wild von der Caritas-Fachambulanz in Weiden. Diese rasche Hilfe ist ab sofort möglich.

Eine organisatorische Anpassung ermöglicht es, dass die Suchtberatung umgehende Hilfestellung anbieten kann. An jedem Donnerstag können Bürger ohne Anmeldung und ohne Warteliste zwischen 14 und 16.30 Uhr in der Fachambulanz für Suchtprobleme (Nikolaistraße) vorsprechen und unkomplizierte Hilfe erhalten. "Wir stehen auf der Seite der Betroffenen", erklärt Katjenka Wild im Pressegespräch. Und sie versichert: "Wir unterliegen einer absoluten Schweigepflicht. Und selbstverständlich ist die Beratung kostenfrei für den Klienten." Der Hilfesuchende werde zunächst gefragt, welches Ziel er anstrebt. "Will er nur nicht mehr auffällig sein, oder will er von der Sucht vollständig loskommen?" Die jeweilige Antwort entscheidet über die ersten Hilfestellungen. "Wir bieten ein niedrigschwelliges Angebot, ohne dass jemand ohne Droge leben muss."

Auch Psychologin Katharina Auer und Sozialpädagogin Kathrin Venzl berichten über ihre Arbeit als Suchtberaterinnen. Alkohol sei nach wie vor die Droge Nummer eins. Und Crystalkonsum gebe es in allen Altersgruppen - "weil es hilft, Leistung zu bringen". Insgesamt arbeiten in der Suchtberatungsstelle acht Mitarbeiter. Sie beschäftigen sich mit Alkohol-, Drogen- und Medikamentenabhängigkeiten einschließlich Substitutionsbegleitung. Auch Essstörungen, Glücksspiel- und Medienkonsumsucht zählen die Beraterinnen auf. Die Leitung der Fachambulanz hat Diplom-Psychologe Dr. Stefan Gerhardinger.

Angebot an Eltern

Die Fachambulanz ist für die Stadt Weiden und den Landkreis Neustadt zuständig. Zahlreiche Gruppenangebote, ausgerichtet auf die verschiedenen Erkrankungen, können hier in Anspruch genommen werden. Die Beraterinnen wollen besonders die Elterngruppe drogenkonsumierender Kinder in den Mittelpunkt stellen: Eltern würden sich oft hilflos fühlen und im Kreis von Gleichbetroffenen, mit professioneller Unterstützung könne die Last leichter getragen werden. Die Beraterinnen wünschen sich, dass sich noch mehr betroffene Eltern an die Fachambulanz wenden. "Die Droge ist überall, das hat nichts mit städtischen oder ländlichen Bezirken zu tun."

Auch die anderen Gruppenangebote werden vorgestellt, so unter anderem die Orientierungsgruppe ("Habe ich eigentlich ein Problem?") oder die Gruppe "pathologisches Glücksspiel oder Internetnutzung". Künftig soll zusätzlich auch ein freizeitpädagogisches Angebot aufgebaut werden. Nähere Informationen: www.suchthilfe-ostbayern.de
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