Schöffengericht verurteilt 31-Jährigen aus Gambia - Schon in Traunstein mit Marihuana erwischt
Haft statt Hoffnung auf ein besseres Leben

Weiden. (rns) Bei der Routinekontrolle eines Fernbusses aus Prag fanden Waidhauser Bundespolizisten auf der hintersten Sitzbank einen Rucksack mit brisantem Inhalt: 223 Gramm Marihuana. Ein 31-Jähriger, drei Reihen weiter vorne, hatte sich bereits vorher als Besitzer des Gepäckstücks zu erkennen gegeben.

Bei der Ausweiskontrolle stellte sich heraus, dass er lediglich über eine deutsche Aufenthaltsgenehmigung verfügte, mit der er nicht in die Tschechische Republik hätte fahren dürfen. Am Dienstag stand der Mann wegen Rauschgifteinfuhr und -handels vor dem Schöffengericht. Amtsgerichtsdirektor Gerhard Heindl und die beiden Schöffen verurteilten ihn zu zweieinviertel Jahren.

Sie gaben keine Chance auf Bewährung, wie Verteidiger Tobias Konze gefordert hatte. Besonders kreideten die Richter dem Geschiedenen an, dass er zwei Monate vor der Tat bereits mit Marihuana im Schrank seines Zimmers im Asylbewerberheim Traunstein erwischt worden war und dafür vom Amtsgericht zu neun Monaten auf Bewährung verurteilt worden war.

Die damals sichergestellte Menge an Bargeld deute darauf hin, dass sie aus Rauschgiftgeschäften stammen müsse, stellte Staatsanwalt Rene Doppelbauer fest. Er hielt in seinem Plädoyer dem Gambier zugute, dass er, wie ein Zollfahnder berichtet hatte, zur Überführung eines anderen Ausländers beigetragen hatte, der Rauschgifthandel in größerem Stil betrieben hatte. In Gambia habe er den Metzger-Beruf erlernt und auch ausgeübt, berichtete der Asylbewerber. Über Libyen und dann mit dem Schlauchboot über das Mittelmeer und weiter durch Italien sei er nach Deutschland gekommen. Er wolle sich hier in seinem Beruf weiter bilden und dann in seinem Heimatland ein Geschäft eröffnen.

Arbeit in Bäckerei

Im "letzten Wort" entschuldigte sich der Angeklagte "bei Deutschland". Er habe es "nicht so erfasst", dass es mit Drogen hier "so gehandhabt" werde. Er arbeite jetzt, so wie er in sechs Monaten U-Haft auch gearbeitet habe. Er gehe nach seiner Arbeit in einer Bäckerei immer gleich in sein Zimmer, weil ihn sonst "falsche Freunde auf den falschen Weg" bringen würden. Er lobte die hiesige Polizei, die nicht korrupt sei. Er wolle ab jetzt immer "den geraden Weg gehen". Dem langen Flehen um Bewährung gaben Heindl und die Schöffen jedoch nicht nach. Die Taten in Traunstein und an der Oberpfälzer Grenze zu Tschechien seien "hartnäckig kriminell" gewesen und jeweils als "Verbrechen" zu ahnden, sagte Amtsgerichtsdirektor Heindl.

Gambia ist eines der Hauptherkunftsländer afrikanischer Flüchtlinge. Das winzige Land in Westafrika ist fast völlig vom Senegal umschlossen. Es hat 1,9 Millionen Einwohner. Aus Armut, Arbeits- und Perspektivlosigkeit verlassen Zehntausende junger Gambier das Land - ein gefährlicher Weg durch die Sahara, Libyen und über das Mittelmeer folgt. 2012 kam es zu Hinrichtungen von politischen Häftlingen, es häufen sich Berichte über massive Menschenrechtsverletzungen.
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