Schöffengericht verweist Verfahren gegen 22-Jährigen an das Landgericht - Ziel: dauerhafte ...
"Gefährlicher Gewalttäter"

Weiden. (rns) Vernichtend war das Gutachten von Dr. Bruno Rieder. Der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie attestierte dem, von Rechtsanwalt Andreas Schätzler vertretenen, Angeklagten "hohe Wiederholungswahrscheinlichkeit". Der Landgerichtsarzt hatte bei der Untersuchung des 22-Jährigen festgestellt, dass dieser unter einer erheblichen Persönlichkeitsstörung leide und hoch aggressiv sei - "besonders unter dem Einfluss von Drogen", aber "auch ohne".

Angeklagt vor dem Schöffengericht war der Weidener, weil er im Herbst 2014 seine Freundin ins Gesicht geschlagen, ihr das Knie in den Bauch gerammt, sie bedroht und an den Haaren gezogen hatte. Außerdem hatte er bei einer Disco-Schlägerei einen 26-Jährigen zu Boden geschlagen und dann auf ihn eingetreten. Das Vorstrafenregister sprach Bände. Fünf Mal war der Berufslose wegen Beleidigung, Körperverletzung sowie Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte vorgeahndet. Erst im April letzten Jahres war er nach zwei Jahren Haft wieder frei gekommen.

Dr. Rieder stellte fest, dass es sich bei dem Ledigen um einen "gefährlichen Gewalttäter" handele. Tritte in den Bauchraum, wie sie in der Anklage aufgeführt und von Zeugen bestätigt wurden, seien potenziell lebensgefährlich. Die Gefährlichkeit des Angeklagten resultiere nicht nur aus dessen Drogenmissbrauch, sondern aus seiner Persönlichkeit. Bereits im Kindesalter hatte er wegen Aggressivität mit der Jugendpsychiatrie Bekanntschaft gemacht. Eine längerfristige Behandlung in einem psychiatrischen Krankenhaus sei für ihn die "einzige Chance", so Dr. Rieder.

Da sich nach Einvernahme zahlreicher Zeugen die Vorwürfe von Staatsanwalt Oliver Schmidt bestätigten und nur das Landgericht eine dauerhafte Unterbringung in einer psychiatrischen Anstalt anordnen kann, verwies Amtsgerichtsdirektor Gerhard Heindl den Fall an die höhere Instanz. Der Angeklagte sei eine "Gefahr für die öffentliche Sicherheit".

Bis zu einer Neuauflage des Prozesses vor der Großen Strafkammer erließ Heindl einen Unterbringungsbefehl. Die Polizisten, die den Ledigen aus der JVA Weiden vorgeführt hatten, mussten ihn sofort ins Bezirksklinikum Regensburg verfrachten.
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