Schon Ötzi hatte es im Rücken

Chefärztin Elisabeth Eißner zeigte die Entwicklung von Chirurgie und Orthopädie von der Antike bis zum heutigen Tag anhand vieler Bilder sehr anschaulich auf. Bild sbü

Orthopädie und Unfallchirurgie haben eine lange Geschichte. Sie ist verbunden mit Kriegen, angeborenen Körperbehinderungen und schweren Arbeitsbedingungen. Vor dem Hintergrund der Medizin früherer Jahrhunderte erscheinen die heutigen Behandlungserfolge fast wie ein Wunder.

(sbü) Über viele Jahrhunderte war es verboten, Leichen zu öffnen. Das habe den medizinischen Fortschritt erheblich erschwert. Später durfte man nur die toten Körper von Hingerichteten untersuchen. So entwickelten sich Chirurgie und Orthopädie ganz allmählich im Laufe der Zeit, erklärte Chefärztin Elisabeth Eißner von der Orthopädischen Rehabilitation der Kliniken Nordoberpfalz in Waldsassen. Im letzten Vortrag dieses Jahres aus der Reihe "Medizin damals und heute" anlässlich des 125-jährigen Jubiläums der Kliniken Nordoberpfalz berichtete sie über die Geschichte ihres Medizinzweiges.

Kriegs- und Unfallschäden sowie angeborene Körperbehinderungen zeigten schon immer ähnliche Krankheitsbilder, erläuterte die Medizinerin. Doch erst beim Blick auf Hilfsmöglichkeiten von heute werde der medizinische Fortschritt offensichtlich. "Schon Ötzi hatte Bandscheibenverschleiß", erläuterte Eißner anhand von Abbildungen. Freilich, in der Jungsteinzeit gab es wohl dagegen noch keine Operation, womöglich aber andere medizinische Überraschungen: Weil an seiner Mumie auch "Tätowierungsgruppen" aus Kohlestaub gefunden wurden, deute dies auf Punktierungen an klassischen Akupunkturpunkten hin. Auch bei Hippokrates sei die Behandlung des Klumpfußes schon genau beschrieben worden.

Daneben ging es auch um Medizin im Krieg: "Feldchirurgie war damals weitgehend Amputationschirurgie", sagte Eißner. Noch vor hundert Jahren sprach man auch von der "Knüppelfürsorge". Heutzutage gehe es bei Operationen und Protheseneinsatz vor allem darum, die Lebensqualität zu verbessern.

Welche medizinischen Fortschritte insgesamt schon erzielt wurden, zeigten insbesondere die Beispiele von Spitzensportlern wie Weitspringer Markus Rehm und Sprinter Oscar Pistorius, die Prothesen tragen. Auch sei heute Orthopädie ohne Physiotherapie undenkbar, sagte Eißner.

Sie stellte in diesem Zusammenhang auch die Orthopädische Rehabilitation in Waldsassen vor. Dort würden, anders als zum Beispiel in Tschechien, Fachärzte in den jeweiligen Spezialisierungsrichtungen die Patienten behandeln. "Die Nachbehandlung muss vom Fachmann der gleichen Disziplin wie bei der Erstbehandlung erfolgen." Rehabilitation sei heutzutage auch eine sehr individuelle Therapie mit vielen einzelnen Fachdisziplinen - einschließlich Neurochirurgie und Psychologie. "Wir verschließen uns auch nicht gegenüber der Komplementärmedizin, die zum Beispiel die Heilpraktiker anwenden." Sicherheit könne der Patient auch aus der Zertifizierung als Endoprothetik-Zentrum ableiten. "Nur Rock 'n' Roll sollte man mit künstlichen Knien oder Hüften nicht tanzen, aber ansonsten gehen alle Tänze."

Die künftige Entwicklung ihres Medizinzweigs sehe sie sehr positiv: "Die demografische Entwicklung spielt uns voll in die Hände." Nach wie vor gebe es aber keine Methode zur Heilung der Arthrose, doch die Gentechnik forsche auch über Knorpel- und Knochenersatz. Und wer keine Operation wünsche, für den stünde die Schmerztherapie zur Verfügung. Weil die moderne Medizin aber bezahlbar sein müsse, seien die "Tagessätze in der Rehabilitation nicht sehr üppig".

Die Vortragsreihe am Klinikum soll im nächsten Jahr an jedem letzten Mittwoch eines Monats fortgesetzt werden.
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