Schon seit langem Streit um "Mindestmengen" - Richter entscheiden zugunsten kleinerer Kliniken
Risiken für kleine Frühchen begrenzen

Kleine "Frühchen" bedürfen einer besonders intensiven Therapie. Archivbild: dpa
Eine Geburt bedeutet immer ein Risiko. Im Fall von Frühgeburten, bei denen die Schwangerschaft noch vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche statt nach 40 Wochen endet, ist dieses Risiko jedoch viel größer. "Kleinen Frühgeborene", die unter 1500 Gramm wiegen, sind eine Hochrisikogruppe. Babys, die bei der Entbindung weniger als 1250 Gramm auf die Waage bringen, sind als "sehr kleine Frühgeborene" sogar besonders gefährdet.

Solche Kinder sollten immer in einem Perinatalzentrum Level 1 oder Level 2 entbunden werden. In der nördlichen und mittleren Oberpfalz erfüllen nur zwei Kliniken die entsprechenden Standards, nämlich die Krankenhäuser in Amberg und Weiden. Sie haben sich vor einigen Jahren zum "Perinatalzentrum Nordoberpfalz" zusammengeschlossen.

224 Kinder mit einem Geburtsgewicht unter 1500 Gramm kamen von 2009 bis 2013 an beiden Standorten zur Welt. Im Jahr 2013 waren es 48 Babys, vier davon starben. Es ergibt sich somit eine Überlebensrate von 91,7 Prozent.

Hinter diesen nüchternen Zahlen stehen natürlich menschliche Schicksale. Die Versorgung der "Frühchen" in Deutschland soll sich daher weiter verbessern. Vor einigen Jahren forderte der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) von Ärzten und Krankenkassen, dass Level-1-Perinatalzentren künftig eine strengere Mindestmengenregel erfüllen müssten. Statt wie bisher 14 sollten mindestens 30 Frühgeborene unter 1500 Gramm pro Jahr entbunden werden.

Zuvor hatten mehrere Studien ergeben, dass das Sterberisiko der Kinder in großen Perinatalzentren deutlich geringer war als in kleineren Häusern, wo es nach Meinung der Reformbefürworter oftmals an der apparativen Ausstattung sowie an Personal und Behandlungsroutine fehle. Insgesamt gibt es in Deutschland 320 Perinatalzentren, die nationale Frühgeborenenrate liegt bei neun Prozent, die allgemeine Säuglingssterblichkeit bei 3,3 je 1000 Geburten.

Die Mindestmengenregel konnte sich in der gewünschten Form letztlich nicht durchsetzen: Nach der Klage mehrere Kliniken entschied das Bundessozialgericht in Kassel im Dezember 2012, es gebe keine ausreichenden Hinweise, um den höheren Schwellenwert von 30 zu begründen. Die Richter führten an, dass neuere Studien immerhin 44 Prozent der Abteilungen mit 14 bis 29 Frühgeborenen pro Jahr als besonders gut bewerteten. Würden diese Perinatalzentren von der Versorgung ausgeschlossen, könne in einzelnen Regionen die Qualität sinken.

Melanie Reber aus Waldthurn ist der Meinung, dass auch kleinere Perinatalzentren wie in Amberg und Weiden bestehen bleiben müssten. "Sonst ist der Weg für die Eltern zu lang." Sie selbst erlitt bei ihren beiden Schwangerschaften eine vorzeitige Plazentalösung. "Das ist ein absoluter Notfall, sonst verblutet erst das Kind und dann die Mutter," sagt die gelernte Kinderkrankenschwester. Von den ersten Anzeichen der drohenden Frühgeburt bis zum Kaiserschnitt im Klinikum Weiden sei bei ihrer ersten Schwangerschaft gerade einmal eine Stunde vergangen: "Das ist perfekt gelaufen. Wäre das Perinatalzentrum weiter weggewesen, hätte ich wahrscheinlich eine Totgeburt gehabt."

Töchterchen Mayla schaffte es trotzdem nicht und starb nach nur fünf Tagen. Ihre Schwester Mia hatte mehr Glück: Sie kam in der 34. Schwangerschaftswoche ebenfalls nach einer Plazentalösung zur Welt. Allerdings wog das Mädchen zu diesem Zeitpunkt bereits 2800 Gramm. Mia hat sich bestens entwickelt.

Quellen: u.a. Ärzte Zeitung (online), 18.12.2012; Qualitätsbericht des Perinatalzentrums Nordoberpfalz, abrufbar im Internet auf den Webseiten der Kliniken Nordoberpfalz bzw. des Klinikums St. Marien Amberg
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