Schülertreff "Scout": Chefin verärgert wegen CSU-Vorstoß
Streit unter Freunden

Tanja Koller (Mitte) hinterm Tresen. Wegen eines Vorstoßes aus CSU-Reihen war die "Scout"-Chefin jetzt selbst restlos bedient. Bild: Hartl
Der Spardruck der Stadt führt zum Zwist zwischen eigentlich Gleichgesinnten. Im Kinder- und Jugendhilfeausschuss gerieten Jugendring-Vorstandsmitglied Steffi Sperrer und "Scout"-Leiterin Tanja Koller aneinander. Auslöser war ein überraschender Vorschlag von CSU-Stadträtin Sperrer, um die vierte Sozialpädagogen-Stelle beim Stadtjugendring (SJR) zu sichern: Der SJR solle künftig das Schülercafé "Scout" betreiben - anstelle des Kolping-Bildungswerks, für das die ehemalige Jugendring-Chefin Koller arbeitet. "Irrsinn", urteilte diese. Auch SPD-Stadträtin Elena Hierold, ebenfalls im SJR-Vorstand aktiv, lehnte den Sperrer-Vorstoß ab. Eine Mehrheit fand er nicht - Tanja Koller war dennoch sichtlich verstimmt.

Das Kolping-Bildungswerk will sich für zwei weitere Jahre als Betreiber des Schülertreffs bewerben. Seit 2013 kümmert es sich um die Betriebsführung der Einrichtung, der Vertrag mit der Stadt endet am 31. August. Tanja Koller habe das Schülercafé "aus dem Dornröschenschlaf wachgeküsst", anerkannte auch Jugendpfleger Ewald Zenger. Im Ausschuss präsentierten Koller und Bildungswerk-Geschäftsführer Jürgen Förster eindrucksvolle Zahlen: 8370 Besucher zwischen Juni 2013 und Juli 2014, 3670 ausgegebene Essen. Durchschnittlich 38 Jugendliche täglich suchen die Einrichtung auf. "Durch den Weggang der FOS", versicherte Tanja Koller, "hat sich das nicht verändert."

"Milchmädchenrechnung"

Der Treff an der Allee bietet seiner Klientel preisgünstiges Essen und die Betreuung durch Fachpersonal. "Die Jugendlichen fühlen sich bei uns geborgen." Die Leiterin berichtete von zahlreichen Beratungsgesprächen und Einzelfallhilfen. Im offenen Betrieb sei "niederschwellige Kontaktaufnahme" möglich. Mit Projekten, Veranstaltungen und Ausstellungen zum Beispiel gegen Rechtsextremismus und Homophobie machte sich "Scout", das Mitglied im Stadtjugendring ist, ferner einen Namen. Neben Koller arbeiten eine pädagogische Halbtagskraft und eine Köchin im Schülertreff.

Nicht zuletzt deshalb reagierte sie mit völligem Unverständnis auf Sperrers Vorschlag: Wie, so fragte Koller, wolle der Jugendring mit seiner vierten Stelle die drei "Scout"-Mitarbeiterinnen vollwertig ersetzen? "Eine Milchmädchenrechnung." Zumal der SJR ganz andere Aufgaben für den Mitarbeiter vorsehe. Sperrer hatte auf den Grundlagenvertrag zwischen Jugendring und Stadt verwiesen, der "offene Jugendarbeit" wie im Schülercafé vorsehe. Der Stadt stellte sie Einsparungen in Aussicht. Eine öffentliche Ausschreibung der Betriebsführung, wie sie die Stadt plant, sei nach CSU-Meinung nicht nötig.

Hier widersprach Jugendamtsleiterin Bärbel Otto. Nach ihren Angaben hatte "Scout" im vergangenen Schuljahr einen Förderbedarf von 151 000 Euro. Der künftige Betreiber soll mit einer Summe unter 200 000 Euro auskommen.

Elena Hierold und auch Jugendpfleger Zenger sahen den SJR überfordert, sollte er kurzfristig die Regie übers "Schülercafé" übernehmen müssen. Allenfalls "mittel- oder langfristig" sei diese Lösung denkbar. Bei Gegenstimmen von Sperrer,Michael Bihler (CSU) und Reinhold Wildenauer (Bürgerliste) votierten 11 Gremiumsmitglieder für die Ausschreibung. Tanja Koller ließ sich dadurch nicht beschwichtigen: Um das "Schülercafé" zu schützen, wie sie erklärte, stimmte sie später für die Streichung der vierten Stelle im Juz.
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