Schüsse in der Allee-Tiefgarage

Der Boden bebt, selbst im Baucontainer: "Wir haben's heute etwas lauter", warnt Günther Kamm. Denn drunten in der Allee-Tiefgarage wird aus allen Rohren geschossen.

Nach den gründlichen Vorbereitungen geht es ans Eingemachte. Und zwar beim Beton der Zwischendecke. Er muss raus. Das ist leichter gesagt als getan. Das Material, vor fast drei Jahrzehnten von der Firma Scharnagl eingebaut, ist härter als vermutet. "Uns sind die Bohrköpfe nur so um die Ohren geflogen", berichtet Günther Kamm, der im Februar die Allee-Tiefgarage von der Stadt Weiden übernommen hat und jetzt mit der SGW Stadtbau als Eigentümer aufwändig saniert.

Bauherr, Baufirmen und Planer pflegen den engen Kontakt. Bei der Baustellenbesprechung. Im Container über der Tiefgaragen-Einfahrt breiten der planende Architekt Bernd Beer (Geschäftsführer der AMP Parking GmbH) und dessen Mitarbeiter Said Noui, Oberbauleiter Horst Zillner, Harald Bayerl und Katrin Scharnagl (alle drei von der Firma Scharnagl) sowie Elektroplaner Ludwig Zielbauer (ZEP) ihre Unterlagen aus. Sie sind zufrieden, liegen "sehr gut" im Zeitplan.

Mehr Maschinen

Dahinter stehen ein verstärkter Maschineneinsatz und eine veränderte Arbeitsweise, bei der zugleich die Lärmbelästigung für die Anwohner reduziert wird. In den Vordergrund rückten etwa die Fräsarbeiten, bei denen sieben Zentimeter von der oberen Betonschicht bis knapp über die Bewehrung aus Stahl abgenommen werden. Dadurch kann der lärmintensive Einsatz des Wasserstrahls von zunächst geplanten zehn auf vier Wochen verkürzt werden. Bei diesem Verfahren schießt der Wasserstrahl im Höchstdruck von 2500 Bar auf den Beton, der dadurch zerstört wird und aus der Bewehrung "bröselt". "Das geht jetzt schneller als erwartet", stellt Horst Zillner fest, als er mit Kamm in der Tiefgarage über die ersten Reihen mit den freiliegenden, aber tragfähigen Stahlmatten läuft.

Die gewählte Sanierungsmethode vermeidet den Totalabbruch der Zwischendecke. Die Konstruktion bleibt erhalten. "Wir können wieder an das gute Tragsystem anschließen", betont Kamm. Quer zu den Rahmenträgern, die sich frei von einer Wand zur anderen strecken, sind die Decken "eingespannt". Die Armierung wird ergänzt und dann wieder in Beton gegossen. Eine sechs Zentimeter dicke Gußasphaltschicht (in zwei Lagen aufgebracht) schottet dann die Konstruktion ab und schließt jede Korrosionsgefahr aus. "Für mindestens weitere 25 Jahre", hofft Kamm.

Die einzige Unsicherheit, gesteht Zillner, sei der Sommer. Warum, acht Meter unter der Oberfläche? Einem Kubikmeter Beton seien bis zu 200 Liter Wasser beigemischt. "Die Feuchtigkeit muss raus. Das Austrocknen ist der Zeitfresser. Wir brauchen einen warmen Sommer."
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