Schuldspruch im zweiten Anlauf

Erst kamen sie mit Freispruch davon. In der Berufungsverhandlung erhielten sie nun doch eine Bewährungsstrafe: Vor Gericht waren zwei Einbrecher im zweiten Anlauf geständig.

Wegen eines Wohnungseinbruchs, bei dem sie 150 Euro erbeutet hatten, waren ein 35-jähriger Amberger und ein 30-Jähriger aus Weiden vor acht Monaten angeklagt. Richter Otmar Schmid sprach sie letztlich frei: Die Lebensgefährtin des Weideners und ihre Mutter sowie ein Bekannter hatten ihm ein Alibi für die Tatzeit gegeben. Der Amberger hatte schriftliche Unterlagen beigebracht, die scheinbar bewiesen, dass er zur Tatzeit gearbeitet hatte. In der Berufungsverhandlung stellte sich nun heraus: Alles getürkt - die beiden waren doch die Einbrecher.

Im September 2013 war es in der Wohnung eines 50-Jährigen in der Weidener Innenstadt zum Streit zwischen drei Männern gekommen. Der Grund: Eifersüchteleien, weil sich ein 20-Jähriger von dem Wohnungsinhaber getrennt und nun mit dem Amberger liiert war. Im Zuge des Zwists hatte man den schwerbehinderten Älteren verprügelt und ihn nicht aus seiner Wohnung gelassen. In der Nacht darauf traten die Männer, nun zusammen mit dem 30-Jährigen, seine Haustüre ein und entwendeten aus einem Wohnzimmerschrank 30 Fünf-Euro-Scheine. Der Geschädigte schlief währenddessen. Das Geld wurde aufgeteilt und anschließend in einer Gaststätte umgesetzt. Nachdem wegen der Alibis "berechtigte Zweifel" an der Schuld bestanden hatten, waren sie zunächst vom Vorwurf des Wohnungseinbruchs frei gesprochen worden. Und dies, obwohl der 20-Jährige alles zugegeben und seine Mitangeklagten der Mittäterschaft bezichtigt hatte. Die Staatsanwaltschaft legte daher Berufung ein.

Bei einem sogenannten Rechtsgespräch zwischen Staatsanwaltschafts-Gruppenleiter Peter Frischholz, den Richtern Reinhold Ströhle und Peter Werner sowie den Verteidigern Bernhard Schlicht und Stephan Meier (Amberg) fand sich eine allseits akzeptierte Lösung: Zehn Monate auf Bewährung sollten im Gegenzug für ein umfassendes Geständnis verhängt werden.

Nachdem der vielfach vorbestrafte ältere Angeklagte das Angebot annahm, blieb dem Jüngeren nichts anderes übrig, als ebenfalls zu gestehen. Denn durch die Aussagen seines Komplizen wäre er - selbst ebenfalls vielfach vorbestraft - überführt worden, selbst wenn sein Alibi ansonsten gehalten hätte. Als Bewährungsauflagen verhängten die Richter 120 gemeinnützige Arbeitsstunden für den Berufstätigen. Der andere, erwerbsunfähig, muss 300 Euro in Raten an eine caritative Einrichtung zahlen.
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